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Laternen-Verkäufer mitverantwortlich für Brand in Krefelder Zoo

Ministerin Ursula Heinen-Esser : Laternen-Verkäufer mitverantwortlich für Brand in Krefelder Zoo

Die Ermittlungen zum Krefelder Zoobrand gehen weiter. Nach derzeitigem Stand wurde das Feuer von drei Frauen verursacht, die Himmelslaternen steigen ließen. Aber stehen die Hersteller nicht auch mit in der Verantwortung?

Nach dem verheerenden Brand im Krefelder Zoo sieht die nordrhein-westfälische Umweltministerin Ursula Heinen-Esser eine moralische Mitverantwortung beim Verkäufer der Himmelslaterne, die das Feuer vermutlich ausgelöst hat. „Wichtig ist auch die Frage, warum solche gefährlichen Gegenstände wie Himmelslichter bei uns so einfach in den Verkehr gebracht werden können, obwohl die Anwendung verboten ist“, sagte die CDU-Politikerin der „Rheinischen Post“ (Samstag). Sie kündigte an: „Dem werden wir nachgehen. Hier scheint mir das Handelsunternehmen, das diese Himmelslichter verkauft hat, zumindest moralisch in der Mitverantwortung zu stehen.“

Das Affenhaus des Zoos war in der Silvesternacht abgebrannt. Dabei kamen mehr als 30 Tiere, darunter Menschenaffen, ums Leben. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass das Feuer durch eine Himmelslaterne ausgelöst wurde. Drei Frauen haben sich gemeldet und gesagt, sie hätten die Laterne - und vier andere - losfliegen lassen. Die Laternen sind in Deutschland verboten, können aber im Internet bestellt werden. Ermittelt wird wegen fahrlässiger Brandstiftung. Darauf stehen bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe.

Ein britischer Hersteller von Himmelslaternen warb nach dem Zoobrand für die Nutzung seiner angeblich sicheren Produkte und erntete damit Kritik im Internet. Das Unternehmen „Night Sky Lanterns“ aus London twitterte: „Wir sind sehr traurig über den Verlust von mehr als 30 Tieren/Affen im Krefelder Zoo. Lasst uns 30 Himmelslaternen entzünden zum Gedenken an diese Tragödie. Hoffentlich trägt dies mit dazu bei, alle daran zu erinnern, wie wichtig es ist, nur Himmelslaternen aus hochwertigem Material auszuwählen.“ Zunächst hatte das Branchenblatt „Werben & Verkaufen“ darüber berichtet.

Internet-Nutzer reagierten auf „Night Sky Lanterns“ mit Kommentaren wie „Meinen Sie das ernst?“ oder „Wenn eine Himmelslaterne erstmal abgeschickt worden ist, handelt es sich im Grunde um ein Feuer, das nicht mehr kontrollierbar ist. Man kann nicht kontrollieren, wo es landet.“

Nach Informationen der „Rheinischen Post“ überprüft die Polizei auch die baurechtlichen Gegebenheiten im Zoo. Dabei gehe es unter anderem um die Frage, ob das verwendete Plexiglas als Material für die Bedachung des Affenhauses geeignet war. Die Polizei wolle dazu auch die Bauakten sichten. Das Feuer hatte sich rasend schnell ausgebreitet. Einen Brandmelder hatte das 1975 errichtete Tropenhaus nicht.

Vor dem Zoo beteiligten sich am Samstag über 100 Menschen an einer Mahnwache. Sie trugen Plakate mit Aufschriften wie „Nun seid ihr endlich frei“, „Bei lebendigem Leibe verbrannt“ und „Sie haben nicht auf euch aufgepasst“.

Aus Sicht des Karlsruher Zoo-Chefs Matthias Reinschmidt ist der Brand kein Anlass, die Affenhaltung in Zoos generell infrage zu stellen. Gerade für vom Aussterben bedrohte Arten wie Orang-Utans brauche man jeden verfügbaren Platz, sagte Reinschmidt der Deutschen Presse-Agentur. Tierparks sollten aber nach seiner Meinung ihre Brandschutzmaßnahmen anpassen. Denkbar seien etwa neue Feuermelder, mehr Kontrollgänge und eine Art Sicherheitszone um Zoos an Silvester.

Bei einem Brand in einer Zoohandlung in Remscheid im Bergischen Land kamen am Samstagabend zahlreiche Tiere ums Leben. Kaninchen, Hamster, Meerschweinchen, Mäuse und Ratten sowie Vögel seien an einer Rauchvergiftung gestorben, sagte ein Feuerwehrsprecher. Die Brandursache sei unklar, sagte am Sonntag ein Polizeisprecher.

(dpa)