1. Region

Ökostrom nutzen: Laschet im hohen Norden als Antreiber der Energiewende

Ökostrom nutzen : Laschet im hohen Norden als Antreiber der Energiewende

Vorzeichen für eine schwarz-grüne Bundesregierung? NRW-Ministerpräsident Laschet - für den CDU-Vorsitz und als Kanzlerkandidat im Gespräch - gibt sich bei einem Besuch in Schleswig-Holstein als engagierter Verfechter der Energiewende.

Wasserstoffproduktion, E-Mobilität, Windenergie und autonomes Fahren - Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat sich bei einem Besuch in Schleswig-Holstein als Verfechter der Energiewende präsentiert und sich Vorzeigeprojekte der nachhaltigen Energiegewinnung angeschaut.

Er sprach sich etwa dafür aus, überschüssigen Ökostrom kostengünstig für die Gewinnung von Wasserstoff zur Verfügung zu stellen. „Aber die Regulatorik des Bundes führt im Moment noch dazu, dass Strom, der da ist, nicht genutzt werden kann, weil es sich nicht rechnet“, kritisierte er am Montag bei einem Besuch der Raffinerie Heide in Dithmarschen.

„All die Themen, die uns in den nächsten zehn Jahren in Deutschland beschäftigen werden - wie gelingt die Digitalisierung, wie gelingt es, Industrieland zu bleiben und trotzdem nachhaltig und ökologisch zu sein - dafür haben wir heute sehr viele Beispiele erlebt“, sagte Laschet später nach seinem Besuch des GreenTec Campus im nordfriesischen Enge-Sande. „Das passt zusammen und schafft sogar neue Arbeitsplätze in dieser Region, aber auch anderswo in Deutschland.“

Auf dem Campus besichtigte Laschet zusammen mit Schleswig-Holsteins Regierungschef Daniel Günther (CDU) mehrere Projekte und Firmen, die sich der Realisierung der Energiewende durch innovative Projekte verschrieben haben. Neben einer Tour mit einem autonom fahrenden Bus stand unter anderem der Besuch eines Hightech-Trainingszentrum für diverse Bereiche wie Seenot-Szenarien oder Havarien von Windkraftanlagen auf dem Programm.

Bereits beim Eintreffen in Hemmingstedt in der „grünen Raffinerie der Zukunft“ hatte Laschet das nördlichste Bundesland gelobt und Verbindungslinien zu Nordrhein-Westfalen gezogen: „Hier findet die Energiewende schon statt, der Rest des Landes ist in der Vorbereitung auf die Energiewende.“

In Enge-Sande erinnerte der Gast aus Düsseldorf daran, dass Nordrhein-Westfalen als Industrieland Unmengen an Energie brauche und nach der Steinkohle jetzt aus der Braunkohle aussteige. „Und wenn man Industrieland bleiben will, muss man den Strom, der anderswo ist möglichst schnell in diese Industrieregion bekommen. Und man muss, damit die Industrieproduktion CO2-frei wird, umsteigen auf die Wasserstofftechnologie, beispielsweise bei der Stahlerzeugung.“

In dieser Woche werde man sich noch mit dem Umbau von ThyssenKrupp zu einem grünen Stahlwerk befassen, sagte Laschet - „das ist genau die Technologie, die hier angewandt wird, der Schlüssel, von dem andere lernen können. Die Länder müssten zusammenarbeiten. Nordrhein-Westfalen sei in großer Stromverbraucher im Westen und Schleswig-Holstein ein großer Stromproduzent im Norden.

Er wisse, dass man mit Armin Laschet jemanden habe, der sensibel für das Thema sei, sagte Günther. Und er dankte ihm für sein Interesse, „nicht nur an den touristischen Schönheiten Schleswig-Holsteins sondern auch daran, was unser Land noch so stark macht“.

Diesen Satz könnte man durchaus als Seitenhieb auf den kürzlich geplanten Besuch von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) verstehen. Dessen Trip war kurzfristig wegen der Pannen bei Corona-Testzentren in Bayern abgesagt worden. Anders als Laschet hatte Söder ein rein touristisches Programm im Norden geplant, mit Wattwanderung und einer Schiffsfahrt zu Seehundbänken in der Nordsee.

Auch Laschets Aufenthalt im Norden - wie Friedrich Merz und Norbert Röttgen ein Bewerber für den CDU-Vorsitz - war der zweite Anlauf. Er holte damit einen Besuch nach, der zunächst für Anfang Juli geplant, dann aber nach dem Corona-Ausbruch im Schlachtbetrieb Tönnies im Kreis Gütersloh kurzfristig abgesagt worden war.

Gastgeber Günther bekräftigte vor Journalisten seine Haltung, sich für einen Kompromiss im Ringen um den CDU-Vorsitz einsetzen zu wollen. Das Team Laschet mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn habe seine Unterstützung. Er glaube, der Teamgedanke sei einer, für den sich viele in der Union erwärmen könnten. Unnötig sei eine knappe Entscheidung, wie es sie bei der jüngsten Vorsitzenden-Wahl zwischen Annegret Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz gegeben habe.

Dies sei auch der Grund, warum er es in richtig finde, noch einmal miteinander ins Gespräch zu kommen und eine einvernehmliche Lösung zu finden, betonte Günther. Laschet bemerkte zu dem heiklen Thema, „es ist allgemein schon der Wunsch da, dass wir uns nicht monatelang mit uns selbst beschäftigen als CDU“.

(dpa)