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Mehr Corona-Tote und rasante Ausbreitung: Laschet fordert „mehr Tempo“

Mehr Corona-Tote und rasante Ausbreitung : Laschet fordert „mehr Tempo“

Zwölf Corona-Tote und ein sprunghafter Anstieg der Infektions-Zahlen. Alle müssten jetzt Tempo machen, fordert NRW-Ministerpräsident Armin Laschet. Ansonsten würden auch Ausgangssperren ein Thema.

Das Coronavirus breitet sich in NRW massiv aus - das Land schließt deshalb jetzt auch Spielplätze, schränkt den Betrieb von Restaurants stark ein und verbietet Touristen das Übernachten in Hotels und Pensionen. „Es geht um Leben und Tod - so einfach ist das“, sagte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Dienstag in Düsseldorf. Die nächsten Wochen seien entscheidend. Wenn es nicht gelinge, die Ausbreitung des Virus in den Griff zu bekommen, „drohen uns auch Maßnahmen wie in Spanien und Frankreich“, sagte Laschet. Für die NRW-Wirtschaft soll es einen Rettungsschirm des Landes geben.

„Wir brauchen jetzt mehr Tempo“, stellte Laschet fest. Je schneller das öffentliche Leben heruntergefahren werde, desto größer seien die Chancen. Die Landesregierung will es ohne Ausgehverbote schaffen. Aber landesweit sollen die Restaurants schon um 15.00 Uhr schließen, wie Laschet ankündigte.

Zu den bislang acht Todesopfern kamen zuletzt auf einen Schlag vier dazu. Die Opfer sind nach Angaben von Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) alle „schwer vorerkrankte Menschen“ in hohem Lebensalter gewesen. Stadt und Städteregion Aachen hatten am Morgen die zunächst ersten beiden Todesfälle in ihrer Zuständigkeit gemeldet: Dabei handelt es sich um zwei Männer, um die 80 Jahre alt, die beide vorerkrankt waren.

Die Zahl der landesweit bestätigten Infektionen stieg von mehr als 2700 am Vortag auf 3375 am Dienstag (Stand: 16.30 Uhr). Am Morgen waren es noch rund 300 weniger. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums ist der Kreis Heinsberg mit 760 Nachweisen (Vortag 690) und sechs Todesfällen weiterhin besonders betroffen.

Unter den landesweit Infizierten ist auch Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz. „Ein am Sonntag bei mir durchgeführter Corona-Test ist positiv. Ich werde bis Ende nächster Woche zuhause unter Quarantäne stehen“, sagte Merz der Deutschen Presse-Agentur. Der 64-Jährige ergänzte: „Zum Glück habe ich nur leichte bis mittlere Symptome. Alle Termine sind abgesagt. Ich folge strikt den Anweisungen des Gesundheitsamtes.“ Laschet antwortete auf die Frage, ob er in jüngster Zeit direkten Kontakt zu Merz gehabt habe, mit „Nein“.

Gesundheitsminister Laumann führte vor Augen, wie gefährlich das Virus ist: Experten gingen davon aus, dass das Coronavirus sechs bis sieben mal so ansteckend sei wie eine normale Grippe. NRW stellt den Angaben nach 150 Millionen Euro Soforthilfen im Kampf gegen das Virus bereit. Das Geld soll unter anderem helfen, mehr Beatmungsplätze in Krankenhäusern und mehr Schutzkleidung zu beschaffen.

Von den Maßnahmen gegen das Virus sind auch Urlauber in NRW betroffen: Wenn Hotels und Pensionen ab Mittwoch grundsätzlich keine touristischen Übernachtungen mehr erlauben dürften, müssten auch die hiesigen Gäste ihren Ferienaufenthalt beenden, sagte Laschet.

Starke Einschnitte auch in die Politik: Der Landtag schränkt seinen parlamentarischen Betrieb drastisch ein. Die ursprünglich dreitägige Plenarwoche im April werde auf einen Tag gekürzt (1. April), sagte Landtagspräsident André Kuper.

Alle politischen Veranstaltungen sind bis zum Ende der Osterferien ausgesetzt. Dazu gehören auch die Listenaufstellungen für die Kommunalwahlen. Das hätten die demokratischen Parteien im Land zusammen vereinbart, sagte Laschet. Am Wahltermin hält das Land aber bisher fest.

Das NRW-Justizministerium untersagte bis auf einige Ausnahmen praktisch alle Besuche in Gefängnissen, wie ein Sprecher sagte. Gestoppt wurden auch „vollzugsöffnende Maßnahmen“, also etwa Ausgänge als Vorbereitung zur Haftentlassung.

Fußball-Bundesligisten stellten ihr Training ein. Wegen der Pandemie bekamen die Spieler von Borussia Dortmund die Anweisung, vorerst nicht mehr zu kommen und wurden mit individuellen Plänen ausgestattet. Auch der 1. FC Köln stellt seinen Trainingsbetrieb vorerst ein. „Wir haben das der Mannschaft eben mitgeteilt, dass sie in den nächsten zehn Tagen erstmal individuell trainieren soll“, sagte Sportchef Horst Heldt.

Ein Rettungsschirm soll der NRW-Wirtschaft helfen. „Das Ziel muss sein, dass kein Unternehmen insolvent geht“, sagte Laschet. Zur Höhe des geplanten Soforthilfepakets machte er zunächst keine Angaben.

So droht etwa der Braubranche ein doppeltes Absatzproblem: Der Deutsche Brauer-Bund berichtete von deutlichen Auswirkungen der Corona-Schutzmaßnahmen auf die wichtigen Exportmärkte. Zugleich drücken innerhalb Deutschlands die massiven Einschränkungen für Restaurants und die Schließung der Kneipen den Bierausschank. Zudem verpufften am Dienstag die Hoffnungen auf die Effekte der Fußball-EM, die um ein Jahr verschoben wurde.

Die Not wird auch an anderer Stelle deutlich: Das landeseigene Förderinstitut NRW.Bank erhält zahlreiche Anfragen von Hilfe suchenden Unternehmern und Selbstständigen. Bei der Anfang März eingerichteten Hotline hätten sich allein am Montag 350 Anrufer nach den Fördermöglichkeiten erkundigt, teilte der Vorstand mit.

(dpa)