Aachen/Würselen: Land NRW fördert Forschungsflugplatz Merzbrück mit vier Millionen

Aachen/Würselen : Land NRW fördert Forschungsflugplatz Merzbrück mit vier Millionen

Das Land NRW wird sich mit vier Millionen Euro am Ausbau des Flugplatzes Merzbrück zu einem Forschungsflugplatz beteiligen. Das hat Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Donnerstag in Aachen angekündigt. Damit rücken Entwicklung und später Serienproduktion von kleinen, umweltfreundlichen und automatisierten Flugzeugen mit Hybridantrieb — sogenannte Silent-Air-Taxis — in der Region in greifbare Nähe.

Ein Prototyp eines solchen Flugzeugs soll in einem Forschungs-Hangar entstehen, der direkt an die Landebahn des Flugplatzes gebaut werden soll.

„Mobilität und Digitalisierung können zu Innovationsmotoren für ganz Nordrhein-Westfalen werden. Dies wollen wir uns nicht nur zu Lande, sondern auch in der Luft für uns zu Nutze machen“, sagte Laschet auf dem Mobilitätskongress „Metropolitan Cities“. Für ein Land mit verdichteten Ballungsräumen wie NRW sei es wichtig, dass Mobilität der Zukunft nicht nur erforscht, sondern auch vor Ort gebaut werde.

Die Mittel seien entsprechend im Entwurf des Haushaltsplans 2019 eingestellt, heißt es in einer Presseerklärung der Staatskanzlei. Die Flugplatz Aachen-Merzbrück GmbH (FAM), die RWTH Aachen Campus GmbH und die Air s.Pace GmbH hatten im März einen entsprechenden Antrag gestellt.

Flugzeuge mit Elektroantrieb

Auf dem Gelände in Würselen wollen Fachhochschule Aachen, RWTH Aachen und der Flughafen selbst einen sogenannten Forschungsflughafen einrichten. Dort sollen neue Techniken für geräuscharmes Fliegen und des Fliegen mit Elektroantrieb erforscht und erprobt werden. Entscheidend sei jetzt, die entsprechenden Anträge zum Ausbau des Flughafens schnellstmöglich auf den Weg zu bringen, damit das Genehmigungsverfahren eingeleitet werden kann.

„Der Flugplatz Aachen-Merzbrück hat eine Tradition in der Luftfahrtforschung. Die wollen wir fortsetzen“, betonte auch Verkehrsminister Hendrik Wüst.

Für Professor Günther Schuh, Geschäftsführer der Aachen Campus GmbH, war die Zusage der Landesregierung deshalb eine „überaus freudige Nachricht“. Die nächsten Schritte sollen nun schnell eingeleitet werden, sagte er. Schuh, der auch Geschäftsführer des Aachener Elektro-Fahrzeugherstellers e.GO Mobile ist, erwartet, dass die Bauarbeiten am Flugplatz im Frühjahr 2019 beginnen und im Frühjahr 2020 abgeschlossen sein werden.

Neue Aktiengesellschaft für Silent-Air-Taxis

Für die Entwicklung der Silent-Air-Taxis soll nun zügig eine neue Aktiengesellschaft gegründet werden. Schuh rechnet damit, dass die Fertigstellung eines Musters des Flugzeugs drei Jahre in Anspruch nehmen werde. Bis zur Serienreife dürften fünf bis sieben Jahre vergehen. Die Entwicklungskosten eines solchen Fliegers bezifferte er auf rund 100 Millionen Euro. Dazu sollen auch umfangreiche Fördermittel eingeworben werden.

Mit der Zusage aus Düsseldorf ist der entscheidende Finanzierungsbaustein für den Bau einer neuen Start- und Landebahn gesichert, die doppelt so lang wie die bisherige werden soll. Weitere rund vier Millionen Euro müssen laut einem Gesellschafterbeschluss die Flughafen GmbH beziehungsweise ihre kommunalen Gesellschafter — die Städteregion, die Städte Aachen und Eschweiler sowie die Stadtentwicklungsgesellschaft Würselen — sowie weitere Partner aufbringen.

Bevor das Projekt beginnen kann, muss aber die Landebahn auf 1160 Meter verlängert und um zehn Grad geschwenkt werden. In einem Planfeststellungsbeschluss ist dies bereits festgeschrieben. Der Ausbau ist aber seit rund 20 Jahren schon ein umstrittenes Thema.

(hjd/heck/jg/at)
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