Aachen: „La vie de Jean-Marie“: TV-Serie mit Grenzland-Flair

Aachen: „La vie de Jean-Marie“: TV-Serie mit Grenzland-Flair

Eine kleine Konditorei im Dreiländereck bildet den Ausgangspunkt für eine kurze TV-Serie, die ab heute im deutschsprachigen TV-Programm des Belgischen Rundfunk (BRF) zu sehen ist. „La vie de Jean-Marie“, das Leben von Bäckersohn Jean-Marie, besteht aus etwa fünfminütigen Episoden, die Befindlichkeiten und Skurrilitäten aus dem besonderen Leben im Grenzland im Stil eines Schwankes darstellen.

Hinter Idee und Umsetzung von „La vie de Jean-Marie“ steht der Verein Euregio Film-Werke, ein Zusammenschluss von Dozenten sowie Absolventen der Aachener Schauspielschule. Gedreht wurde mit Profis und Hobbydarstellern vor allem in Jülich — im Kulturbahnhof, in Haus Overbach und der Innenstadt — aber auch in Eupen und Aachen.

Zunächst sind fünf Folgen geplant, die jeweils im Anschluss an das BRF-Nachrichtenmagazin „Blickpunkt“ zu sehen sind, das um 17.45 Uhr beginnt. Laut René Blanche, Leiter der Schauspielschule, Vorsitzender von Euregio Film-Werke und Hauptdarsteller in der Serie, habe man mit der grenzüberschreitenden TV-Produktion eine neue Art der Komödie umsetzen wollen, „die ihre Komik nicht ausschließlich durch Pointen, sondern durch die Handlung sowie die Figurengestaltung erzielt“. Wichtig sei dabei die regionale Komponente, maßgeblich verkörpert in Gestalt der Hauptfigur Jean-Marie. Dieser meistert mehr oder weniger erfolgreich den Alltag als Verkäufer von Backwaren aus dem Familienbetrieb. Dabei stellt er sich in kurzen Geschichten mit Volkstheater-Charakter den Herausforderungen moderner Zeit, spaßiges Scheitern inklusive.

Unter professioneller Anleitung von Wolfgang Dinslage agieren neben Blanche und Andrea Royé auch regionale Laiendarsteller und Mitglieder des „Burgtheaters Overbach“. So nennt sich das professionelle Ensemble, das die Aachener Schauspielschule unterhält und das im Haus Overbach in Jülich-Barmen zu Hause ist. Auch Schulleiter Blanche hat eine Jülicher Vorgeschichte: Er hat dort sein Abitur gemacht.

Fünf Episoden sind im Kasten und werden jetzt im BRF gezeigt. Zuschauer in Deutschland können die Folgen jeweils nach Ausstrahlung in der Mediathek des belgischen Rundfunks anschauen. „Darauf aufsattelnd probieren wir Szenen mit schwarzem Humor in Eigenproduktion“, beschreibt Wolfgang Dinslage die Arbeit. Der Regisseur besuchte das Burgau-Gymnasium in Düren, ist also wie René Blanche, der in der Gemeinde Aldenhoven zu Hause ist, auch ein „Kind des Kreises Düren“. Er feierte mit „Für Elise“ 2012 sein Filmdebüt und wurde prompt mit dem Filmkunstpreis ausgezeichnet.

Mit den fünf Episoden soll das Leben und Wirken des Bäckersohns Jean-Marie noch nicht zu Ende erzählt sein. Nach Angaben von Blanche wurde ein Privatinvestor gefunden, der nun die finanzielle Möglichkeit eröffnet, mit aufwendigerer Technik auch an anderen Drehorten zu drehen. Der BRF möchte zunächst testen, wie die ersten Serienteile ankommen. Doch Blanche ist zuversichtlich, dass es eine Sendefortsetzung gibt: „Der BRF hat bereits sein Interesse signalisiert.“

Die kurzen Abenteuer von Jean-Marie erzählen einiges von der guten alten Bauernschläue, die dem Protagonisten helfen, dem auch in der liebgewonnenen euregionalen Provinz längst normal gewordenen Wahnsinn der Konsumgesellschaft zu begegnen. Dabei schicken die Macher den Enddreißiger Jean-Marie auf Kaffeefahrten, Weinproben oder kommerzielle Kennenlernveranstaltungen für Singles oder einfach zum Einkaufen. Die Idee der Macher von „La vie de Jean-Marie“ dazu: Dem Zuschauer soll die Beantwortung der Frage überlassen bleiben, ob der Titelheld unbedarft und fehlgeleitet ist, oder ob er im tiefen Inneren einen bewussten Gegenakzent zur Welt um ihn herum setzen will.