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Nach der Bundestagswahl: Kronprinzen, Brückenbauer und Strippenzieher zur Laschet-Nachfolge

Nach der Bundestagswahl : Kronprinzen, Brückenbauer und Strippenzieher zur Laschet-Nachfolge

Wer wird Nachfolger von Armin Laschet an der Spitze der nordrhein-westfälischen Landesregierung und der NRW-CDU? Einen Wunsch-Nachfolger hat der Unionskanzlerkandidat öffentlich nicht benannt.

Das Personalkarussell mit gehandelten „Kronprinzen“, möglichen Überbrückungskandidaten und Strippenziehern wird indes immer voller. Alle in Frage kommenden Politiker üben sich seit Wochen in Vorsicht, wollen keine voreiligen Schritte nach vorne machen. Deshalb hat auch noch keiner klar seinen Führungsanspruch erklärt. Eine kleine, einflussreiche Führungsriege hinter Laschet wird sich aber auf ein möglichst reibungsloses Verfahren einigen müssen. Hier die wichtigsten Namen.

HENDRIK WÜST: Der 46-jährige NRW-Verkehrsminister wird seit Monaten als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge von Armin Laschet gehandelt. Seine Vorteile: Er ist jung, hat Regierungserfahrung und erfüllt sofort die Verfassungsvorgabe, dass ein Ministerpräsident in NRW auch ein Landtagsmandat haben muss. Wüst stehe aber nur zur Verfügung, wenn die Führung der Regierung und der Partei, wie bei Laschet, in einer Hand bleiben, heißt es aus der NRW-CDU. Aus Sicht seiner Unterstützer sollte der Jurist auch direkt Spitzenkandidat der NRW-CDU für die Landtagswahl 2022 sein.

In seiner Zeit als Generalsekretär der NRW-CDU (2006 bis 2010) unter Landesparteichef Jürgen Rüttgers hatte Wüst sich jedoch auch innerparteilich mit einem raubeinig-forschen Stil Feinde gemacht. Er provozierte damals Negativ-Schlagzeilen wegen seines allzu kaltschnäuzigen Umgangs mit Oppositionspolitikern, musste überhöhte Versicherungszuschüsse vom Landtag zurückzahlen und im Februar 2010 von seinem Amt als Generalsekretär zurücktreten. Er übernahm damit die Verantwortung für eine Affäre, die bundesweit unter dem Titel „Rent-a-Rüttgers“ bekannt geworden war und die Regierungspartei dem Vorwurf der Käuflichkeit ausgesetzt hatte.

Allerdings gibt sich der gereifte Wüst, der seit einem halben Jahr auch Vater einer kleinen Tochter ist, inzwischen ausgesprochen konziliant und ist als Verkehrsminister bislang in keine Fettnäpfchen getreten. Wie groß die Fan-Basis des früheren Landesvorsitzenden der Jungen Union in der NRW-CDU heute ist, wird sich jetzt zeigen.

INA SCHARRENBACH: Die Unterstützer der 44-jährigen NRW-Bauministerin sind überzeugt: Die ebenso ehrgeizige wie resolute Vize-Vorsitzende der NRW-CDU will an die Spitze - und kann das. Regierungschefin könnte die diplomierte Betriebswirtin allerdings nicht sofort werden. Ihr fehlt das Landtagsmandat. Falls die NRW-CDU im Mai 2022 erstmals mit einer Frau als Spitzenkandidatin zu einer Landtagswahl antreten wollte, könnte die Partei sich aber bis dahin auf einen „Überbrückungsministerpräsidenten“ verständigen. Wenn Scharrenbach im Oktober zur Landesparteichefin gewählt würde, wäre bereits ein wichtiges Zeichen für sie gesetzt.

Viel Anerkennung hat sich Scharrenbach schon als Oppositionspolitikerin im Landtag erworben, wo sie von 2012 bis 2017 ein Mandat hatte. In Untersuchungsausschüssen glänzte die betont nüchtern auftretende Gärtnerstochter aus Kamen mit umfassenden Aktenkenntnissen und Hartnäckigkeit. Im Ausschuss zum Niedergang der WestLB hatte sie auch schon Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) in die Zange genommen.

Die als bodenständige „Arbeitsbiene“ geltende Ministerin, die seit 2017 auch Landesvorsitzende der Frauen-Union ist, leistet sich nur eine Extravaganz: hohe Pfennigabsätze zum ansonsten eher konservativen Auftreten.

HERBERT REUL: Der 69-jährige Innenminister, sicher eines der bekanntesten Gesichter in Laschets Kabinett, kommt selbst als Regierungschef nicht infrage, weil auch ihm ein Landtagsmandat fehlt. Er genießt aber hohe Autorität in der NRW-CDU, wo er lange Generalsekretär war (1991-2003). Der frühere Studienrat wurde vor allem als Übergangsparteichef gehandelt, bevor Laschet seine Rückkehr nach NRW ausgeschlossen hatte.

LUTZ LIENENKÄMPER: Der 52-jährige NRW-Finanzminister wird im Personalspekulationsreigen ebenfalls zur Rubrik „Übergang“ gezählt. Als Zugpferd in einem Wahlkampf wird der eher öffentlichkeitsscheue Jurist in seiner Partei nicht gesehen. Falls eine Brückenlösung nötig würde, könnte der „Herr der Zahlen“ die Regierungsgeschäfte allerdings problemlos übernehmen. Auch vom FDP-Koalitionspartner hätte der Wirtschaftsliberale sicher keinen Widerstand zu befürchten.

BODO LÖTTGEN: Der62-jährige ehemalige Kriminalhauptkommissar ist in der Partei sehr gut vernetzt. Seit 2017 führt er die CDU-Landtagsfraktion. Zuvor war er Generalsekretär der NRW-CDU und versuchte, den Parteiapparat zumindest technisch zu modernisieren. In der Öffentlichkeit ist der Abgeordnete mit Direktmandat aus dem Oberbergischen Kreis allerdings kaum bekannt. In medienträchtigen Landtagsdebatten hat der durchaus sendungsbewusste Politiker stets das Nachsehen hinter den CDU-Ministern. Als Kompromisslösung für den Übergang ist Löttgen dennoch immer wieder genannt worden – und hat sich jedenfalls nicht selbst aus dem Rennen genommen. Als die „Rheinische Post“ ihn im Februar zu seien Ambitionen befragte, Nachfolger von Laschet als Ministerpräsident zu werden, antwortete er: „Was eint Fraktionsvorsitzende mit James Bond? Sag niemals nie!“

(dpa)