Kronenbrot stellt ab dem 31. Juli die Produktion ein

Traditionsbäckerei Kronenbrot : Alles aus! 1000 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz

Das schlimmste Szenario ist eingetreten: Die Traditionsbäckerei Kronenbrot stellt die Produktion ab dem 31. Juli ein. Der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Biner Bähr informierte am Donnerstagmorgen die Mitarbeiter am Stammwerk in Würselen und an den anderen Produktionsorten.

Hiervon sind knapp 1.000 Mitarbeiter in Würselen, Köln und Witten betroffen, die ab dem 1. August arbeitslos werden. Der ursprüngliche Plan zu Beginn des Insolvenzverfahrens war es noch, wenigstens den Standort Witten zu erhalten. Auch das Vorhaben ist gescheitert.

Die Maschinen stehen ab sofort still. Die Angestellten in Würselen wurden gebeten, die vorhandene Ware wenigstens noch zu verpacken.

Kronenbrot, gegründet im Jahr 1865, hat seit Längerem mit erheblichen Problemen zu kämpfen. Bereits im Mai 2016 musste ein erster Insolvenzantrag gestellt werden. Damals akzeptierten die Mitarbeiter Lohneinbußen, damit der Betrieb weitergeführt werden kann.

Auch im Rahmen des jetzigen Insolvenzverfahrens konnten die Probleme des Unternehmens nicht gelöst werden, sagt Bähr: „Kronenbrot ist seit vielen Jahren nicht mehr wettbewerbsfähig. Die Produktionsanlagen sind stark veraltet und halten den Anforderungen moderner Produktionsabläufe nicht mehr stand. Durch die damit verbundenen hohen Verluste ist eine Betriebsfortführung unter den bisherigen Bedingungen nicht mehr möglich. In den vergangenen Wochen wurde ein strukturierter Verkaufsprozess durchgeführt. Im Ergebnis war jedoch kein Interessent bereit, die mit einer Übernahme von Kronenbrot einhergehenden Risiken zu tragen.“

Jahresumsatz von rund 120 Millionen Euro

Kronenbrot produziert Brot und Backwaren. Diese werden an Lebensmitteleinzelhändler, Discounter, Großverbraucher sowie über Filialen von Backshop-Ketten verkauft. Das Unternehmen erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 120 Millionen Euro. Es zählt damit zu den fünf größten Backwarenherstellern Deutschlands. Im Geschäftsbericht für 2017 wies Kronenbrot einen Fehlbetrag von 7,37 Millionen aus. Die Zukunft wurde in dem Bericht noch durchaus rosig beschrieben.

„Das von der Gesellschaft definierte und sich bereits in der Umsetzung befindende Restrukturierungsprogramm mit seinen strategischen, strukturellen und operativen Maßnahmen wird dazu beitragen, dass sich die Wettbewerbsfähigkeit und die Möglichkeiten der Marktpositionierung weiter verbessert“, ist da zu lesen. Die Weiterentwicklung und Umsetzung der Maßnahmen werden in den Geschäftsjahren 2018 und 2019 erfolgreich fortgeführt.“

Der – noch nicht veröffentlichte – Fehlbetrag im vergangenen Jahr lag nach unserem Informationen sogar bei 15 Millionen Euro.

Die Stimmung bei der Betriebsversammlung, so schilderte es ein Teilnehmer, sei ruhig und gefasst gewesen. Das Ende hatte sich in den vergangenenTagen abgezeichnet, auch wenn etliche Freiwillige noch am Samstag zum Großreinemachen nach Würselen gekommen waren. Nun wird ein sauberer Betrieb abgeschlossen. Für immer.

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