Kreis Heinsberg: Bundespolizei entdeckt neue Schleuserroute

Neue Schleuserroute : Seit langem erstmals Schleusungen im Kreis Heinsberg festgestellt

Nach verstärkten Grenzüberwachungen am deutsch-belgischen Grenzübergang auf der A44 suchen kriminelle Schleuserbanden offenbar nach neuen Routen zwischen Wassenberg, Selfkant, Aachen und Monschau.

Die Aachener Bundespolizei hat am Donnerstag zwei Schleusungsversuche festgestellt, ein Albaner und ein Kameruner brachten unabhängig voneinander insgesamt neun Menschen in die Bundesrepublik. Die Tatsache an sich gehört zum Alltag der Bundespolizei, ungewöhnlich war nur der Ort, an dem die Beamten die Schleuser und die Geschleusten aufgriffen: in Gangelt-Breberen, nicht weit von der niederländisch-deutschen Grenze entfernt, wie die Bundespolizei am Montag mitteilte.

Der Kreis Heinsberg, in dem Gangelt liegt, zählt zum Inspektionsgebiet der Aachener Bundespolizei, doch dieser Teil der niederländisch-deutschen Grenze gehört zu den am wenigsten überwachten in der gesamten Republik. Der Personalmangel der Aachener Inspektion ist inzwischen wahrscheinlich jedem Bundestagsabgeordneten und jedem Mitarbeiter im zuständigen Bundesinnenministerium von Horst Seehofer (CSU) bekannt, dennoch ist die personelle Ausstattung der Aachener Inspektion seit Jahren in einem desolaten Zustand. Auch 22 neue Beamte, die in diesem Jahr nach Aachen kommen sollen, ändern nichts daran, dass die 290 Planstellen nicht annähernd besetzt sind.

Dieser Personalmangel verhindert, dass andere Grenzübergänge als der belgisch-deutsche an der A44 regelmäßig überwacht werden. Die Aachener Bundespolizisten sind unter den gegebenen Bedingungen schon zufrieden, wenn sie die A44 zumindest stichpunktartig überwachen können. Die A44 gilt inzwischen als die Hauptschleusungsroute für Flüchtlinge nach Deutschland.

Neue Einheit für Mönchengladbach

Dass die Polizei sich auf diesen Abschnitt der belgisch-deutschen Grenze konzentriert, ist offenbar auch den Schleuserbanden nicht entgangen. Als die Beamten vergangenen Donnerstag nur kurz in Gangelt kontrollierten, stellten sie innerhalb von 15 Minuten zwei Autos mit illegal Eingereisten fest. Im einen Auto saßen drei Albaner. Es besteht der Verdacht eines Schleusungsversuchen, wobei der 25 Jahre alte mutmaßliche Schleuser aus Albanien nicht einmal selbst im Besitz einer Aufenthaltserlaubnis war.

Im zweiten Auto, das ein 37 Jahre alter Kameruner steuerte, saßen sieben Flüchtlinge aus Afghanistan, Indien, Somalia und dem Sudan. Die Flüchtlinge hatten dem Fahrer jeweils zwischen 70 und 100 Euro für die Fahrt von Belgien über Holland in den Kreis Heinsberg bezahlt, wie Inspektionssprecher Bernd Küppers am Montag auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte. Das Amtsgericht Geilenkirchen schickte den Mann in Untersuchungshaft. Es sei das erste Mal in den vergangenen Jahren gewesen, dass ein Schleusungsversuch von Holland aus in den Kreis Heinsberg festgestellt worden sei, sagte Küppers.

Der Heinsberger Bundestagsabgeordnete Wilfried Oellers (CDU) hat in der Vergangenheit eine eigene Bundespolizeiinspektion für den Kreis Heinsberg gefordert, bislang vergeblich. Allerdings hatte Seehofers Vertrauter Stephan Mayer, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium, während eines Besuchs in Aachen vergangenen Sommer angekündigt, bei Mönchengladbach eine sogenannte Mobile Kontroll- und Überwachungseinheit stationieren zu wollen. Auf einen Zeitpunkt wollte sich Mayer damals nicht festlegen, bislang jedenfalls gibt es eine solche Einheit in Mönchengladbach noch nicht.

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