Annes Welt: Korrektes Gendern

Annes Welt : Korrektes Gendern

Wenn die Generation meiner Tochter nicht weiß, ob sie einen Menschen duzen, siezen, bitchen, bro-en, altern, opfern oder diggan soll, dann windet sie sich in wirklich „krassen“ Satz-Konstrukten, nur um eine Anrede zu vermeiden.

Ebay spricht seine Kunden in Werbemails bereits mit „Huhu“ an. Was kommt als nächstes? „Alter, was geht?“ Fakt ist, wenn man jemanden anspricht, oder über jemanden spricht, kann man heutzutage viel falsch machen.

Wenn der Chirurg beispielsweise sagt „Den Flaschenöffner bitte“, und die OP-Schwester antwortet „Auch wenn Sie den Patienten kennen, heißt es noch immer Skalpell, Herr Doktor“, finde ich das berechtigt. Aber wenn mein guter Freund Dickie beim Weight-Watchers-Treffen sagt „Ich hätte da mal eine Frage an die Runde“ und daraufhin wüst beschimpft wird mit „DIE heißt Tina, Du Vollhorst“, dann ist das nicht in Ordnung.

So weit, so gut. Aber was ist mit der gendergerechten Sprache, die Frauen sichtbarer machen will? Staatsmann, Flüchtling oder der Kosename „Schatz“ – diese Wörter gibt es alle nur im generischen Maskulinum. Warum? Bei „Nikolaus“ verstehe ich das ja noch. Eine Nikoläusin kann’s nicht geben: Keine Frau würde Jahr für Jahr dasselbe anziehen.

Linguisten wollen jetzt durch Gendersternchen oder Gendergaps, also Unterstrich und Unterstricherinnen für eine gerechtere Sprache sorgen. Und Feministinnen diskutierten neulich hitzig in einer Talkshow die längst überfällige Abschaffung patriarchalischer Städtenamen. Mannheim und Herrenberg gehen demnach gar nicht mehr.

Nach der Sendung ging es prosecco-gelaunt weiter. Wie es ausging, ist unbekannt. Die Gender-Beauftragtinnen ließen am nächsten Morgen nur durchblicken, dass alle Feministinnen vom Feiern eine Katze hätten.