Annes Welt: Konzentration! Was?

Annes Welt : Konzentration! Was?

Die 2, die 2, die 2 die 2 – ich an der Tanke auf dem Weg zur Kasse – immer! Drei Leute vor mir. Dann endlich ich. Typ an der Kasse: Nummer? Ich: Ähhh… Wieder raus, Foto gemacht. Wieder rein. Jedes Mal!

Mein Gehirn geht mit Konzentration so sparsam um, als wäre sie illegal. Kennen Sie das? Man geht in einen Raum – und weiß nicht mehr, was man da wollte! Meine Arbeit leidet darunter. Ich habe jetzt meinen Schreibtisch ans Fenster gerückt, wegen Tageslicht, Vitamin D und so. Man soll sich dadurch besser konzentrieren können. Die Realität sieht dann so aus: Oh, ein Vogel! Wer hat denn da seine Mülltonne noch nicht wieder reingeholt? Wieso hat DHL eigentlich so große Autos – so viel Platz nimmt so ein gelber Zettel doch gar nicht ein! Oh, noch ein Vogel! Ich murkse dann drei Stunden vor mich hin, bis mein Computer, diese alte Kiste, mal wieder abstürzt und ich beide Sätze nochmal schreiben muss.

Mein bestes Rezept gegen Langeweile ist, einfach anzufangen, einen sinnvollen Text zu schreiben. Mein Gehirn reagiert dann zuverlässig mit intensivem Hirnjucken und findet augenblicklich eine Alternative. Dabei sitzen meine Gehirnzellen dann in einem Stuhlkreis und sinnieren: Haben Tauben eigentlich Ohren? Oder Flugzeuge Hupen? Gibt es bei Ebay eigentlich eine Kundentoilette? Und hoppla: Laut Kalender fällt mein 100. Geburtstag auf einen Sonntag. Da könnte man doch reinfeiern …

Es ist wirklich erstaunlich. Das Gehirn arbeitet 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche – so heißt es. Setzt aber garantiert aus, wenn Du einen Text schreiben musst oder irgendjemand Attraktives vorgestellt bekommst, wie ich neulich meinen neuen Kollegen. „Noch nicht einmal seinen Namen konnte ich mir merken“, sagte ich später in der Teeküche. „Ich habe wirklich ein schlechtes Namensgedächtnis“, worauf die aus der Buchhaltung tröstete „Ach, wem sagst du das?“ Meine Antwort: „Keine Ahnung.“

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