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Wetterprognose: Kommt der kälteste Winter seit zehn Jahren?

Wetterprognose : Kommt der kälteste Winter seit zehn Jahren?

Während die einen den Schnee an Weihnachten herbeisehnen, sorgen sich die anderen um die hohen Heizkosten. Aber wie wird der Winter denn nun? Bodo Friedrich von Eifelwetter liefert Antworten.

Die Frage nach der weißen Weihnacht gehört zum journalistischen Handwerk wie der Bericht über den Kaninchenzüchterverein. Einige Meteorologen erwarten den „kältesten Winter seit zehn Jahren“, von „Kältepeitsche“ ist da die Rede. Für alle, die Schnee mögen, ist das mutmaßlich eine schöne Aussicht, für alle die an hohe Heizkosten denken, eher weniger. Wie warm müssen wir uns also anziehen in diesem Winter? Darüber hat Redakteurin Madeleine Gullert mit Bodo Friedrich gesprochen. Der Begründer des privat betriebenen Wetterdienstes aus der Region, Eifelwetter, erklärt, warum zuverlässige Aussagen über das Wetter so schwer zu treffen sind.

Herr Friedrich, die Überschriften bei manchen Newsportalen überschlagen sich und kündigen schon den kältesten Winter seit zehn Jahren an. Rechnen Sie auch mit so einer Kältewelle?

Bodo Friedrich: Tatsächlich sahen die Modelle gestern ganz danach aus. Man sah die kalte Luft aus dem Osten, die relativ zügig nach Westen voranschritt und die dann unglaubliche Schneemassen abgesetzt hätte. In der Region Berlin zum Beispiel wurde mit teilweise bis zu 50 Zentimetern Schnee gerechnet.

Und heute?

Friedrich: Ich habe mir eben die neuesten Modelleläufe, die alle sechs Stunden aktualisiert werden, angeschaut und siehe da: Plötzlich ist kein oder kaum Schnee zu sehen beziehungsweise zu erwarten. Nach den neuen Läufen sieht es tatsächlich so aus – und der Meinung bin ich auch –, dass die großen Schneemassen im Dezember ausbleiben werden. Fakt ist allerdings, dass wir wohl in der nächsten Woche bis zum dritten Advent Dauerfrost in der Region bekommen. Also in den Hochlagen werden Temperaturen um -3 Grad erwartet, in der Nacht vielleicht auch bis -5 Grad.

 Bodo Friedrich ist Meteorologe bei Eifelwetter.
Bodo Friedrich ist Meteorologe bei Eifelwetter. Foto: Andreas Gabbert

Und wie wird es in Aachen sein?

Friedrich: Wenn ich nach Aachen schaue, sehe ich eher Werte um die null Grad oder sogar im Plus-Bereich. Wenn wir auf den Mittelwert schauen, dann sehen wir im Moment für den Dezember, der ja noch nicht sehr alt ist, dass wir bei +1,4 Grad liegen, was bedeutet, dass wir uns genau im langjährigen Mittel befinden.

Also sind Schlagzeilen vom „kältesten Winter“ übertrieben?

Friedrich: Richtig. Abgerechnet wird zwar erst am letzten Dezembertag. Da können wir dann tatsächlich die Werte berechnen und vergleichen. Ich kann ja die bunte Presse, wie ich es mal nennen will, verstehen: „russische Peitsche“, „Kältepeitsche“, „Blizzard-Sturm“ – das hört sich alles griffig an. Aber unter dem Strich bekommen wir meiner Meinung nach einen „stinknormalen“ Winter, der einiges an Schnee bringt. Aber richtige Stürme und Schneemassen, die uns Angst machen müssten, die sehe ich zurzeit nicht.

Ich bin zwar nicht von der „bunten Presse“, aber kann doch nicht widerstehen, Sie nach weißer Weihnacht zu fragen...

Friedrich: Nach diesem Dauerfrost, der uns in der nächsten Woche bevorsteht, rechne ich zu Weihnachten wieder mit wärmeren Temperaturen. Das Ganze steht unter dem Begriff „Weihnachts-Tauwetter“, das häufig gerade zur Weihnachtszeit eintritt. Warum ist das so? Nun: Ja, der Tiefdruck, der ein wenig Wärme ins Land bringt, hält gegen die Kaltluft, die im Osten liegt, dagegen und schiebt die Kaltluft ein Stück nach Osten ab. Aus diesem Grund steigen die Temperaturen – gerade bei uns im Westen. Wenn noch Schnee liegen sollte, taut er dann in der Regel.

Ich halte also fest: Es sieht schlecht aus, mit der weißen Weihnacht.

Friedrich: Ausschließen kann man es nicht. Es wäre ja auch wünschenswert. Wenn man am Heiligabend nach draußen schaut, neben dem Weihnachtsbaum und bei Kaminfeuer, da gibt es doch nichts Schöneres als Schneeflocken zu sehen. Mit viel Glück werden wir das ein oder andere Flöckchen am 24. Dezember sehen – allerdings nur in höheren Lagen.

Kann sich denn die Prognose morgen auch schon wieder ändern?

Friedrich: Das ist das Verrückte bei diesen ganzen Wettermodellen. Wir haben einerseits unterschiedliche Modelle – das amerikanische, das deutsche, das französische – die unterschiedliche Vorhersagen machen. Und es ist durchaus denkbar, dass man morgen wieder mit riesigen Massen an Schnee, Wind und Kälte rechnet für den Winter. Das Wetter hat einen chaotischen Charakter. Daran ändern auch die besten Computer, die in Sekundenschnelle Millionen an Berechnungen durchführen können, nichts. Beim Wetter ist alles eine Momentaufnahme.

Frustriert Sie das manchmal? Oder ist das besonders spannend?

Friedrich: Es wäre ja schön für die Berechenbarkeit, wenn man immer wüsste, was auf uns zukommt. Aber spannend ist es dann doch, wenn es wechselt, und man fiebert förmlich dem nächsten Lauf entgegen, um zu schauen, ob die Prognose von vor sechs Stunden noch aktuell ist.

Wenn nun ein trockener Januar und ein verregneter Februar von manchen vorhergesagt wird: Wie seriös ist das denn dann überhaupt?

Friedrich: Meteorologen tun sich ja schon schwer, das Wetter für eine Woche richtig vorauszusagen. 14-Tage-Vorhersagen sind reine Kaffeesatzleserei. Vorhersagen für Januar und Februar sind absolut mit Vorsicht zu genießen. Ich freue mich jetzt aber auf den Schnee zum dritten Advent. Verschneite Weihnachtsmärkte sind einfach schön. Und der Glühwein schmeckt einfach besser, wenn es winterlich ist. Wenn es zehn Grad hat, fragt man sich, was man hier eigentlich gerade tut (lacht).