Aachen/Wiesbaden: Kommissaranwärter betrügt Aachener Ehepaar

Aachen/Wiesbaden : Kommissaranwärter betrügt Aachener Ehepaar

Die Polizei hat derzeit offenbar kein glückliches Händchen bei der Auswahl ihrer Auszubildenden: Nach dem Skandal um rechtes Mobbing von Polizeischülern aus dem Polizeipräsidium in Aachen wird nun einem Kommissarsanwärter Betrug, Diebstahl und Verstoß gegen das Waffengesetz vorgeworfen.

In Aachen und Wiesbaden wird gegen den 23-jährigen Mann ermittelt, der sich beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden (BKA) seit etwa eineinhalb Jahren in der Ausbildung zum Kriminalkommissar befand.

Sein kriminelles Potenzial fiel Anfang August in Aachen auf. Dort hielt er sich nach Angaben des BKA zu einer halbjährlichen Ausbildung im hiesigen Polizeipräsidium auf. Während dieser Zeit gab er sich bei einem beraubten Ehepaar unter falschem Namen als Kripobeamter aus. Unter dem falschen Vorwand, Spuren sichern zu müssen, ließ er sich nach bisherigen Erkenntnissen von dem Ehepaar 25.000 Euro in bar aushändigen, sagte Jost Schützeberg, Sprecher der Aachener Staatsanwaltschaft, am Mittwoch.

Einige Zeit später habe das Ehepaar bei der Polizei nach dem Stand der Dinge gefragt. Dadurch seien die Ermittlungen gegen den Kommissarsanwärter in Gang gekommen. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung in Aachen wurde nicht nur ein großer Teil der 25.000 Euro sichergestellt, sondern auch Teile einer Waffe, die beim BKA in Wiesbaden seit etwa einem Jahr vermisst wurde.

Schon damals, im November 2013, war der Kommissarsanwärter ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Bei der Vollständig­keitskon­trolle der Dienstwaffen nach einem Termin zur Schießausbildung fehlte eine der Waffen. Nach Angaben des Wiesbadener Oberstaatsanwalts Klaus Schulte war ausgeschlossen, dass die Waffe einfach verlorengegangen war. Und der in Frage kommende Personenkreis war überschaubar.

„Es ergaben sich relativ schnell Verdachtsmomente gegen diesen Mann“, sagt Schulte. Doch im Zuge der sofort eingeleiteten Ermittlungen konnten damals nur Teile der Waffe wiedergefunden werden. Auf ihnen sei zwar die DNA des Verdächtigen gefunden worden. „Aber DNA kann ja bei einer Schießübung auch ganz legal auf die Waffe kommen“, sagt Schulte. Beweismittel, die den Tatverdacht gegen den bislang unbescholtenen Mann erhärtet hätten, hätten sie bis zu der Wohnungsdurchsuchung in Aachen nicht beibringen können.

Schulte betont, dass die in Aachen gefundenen Waffenteile nicht funktionsfähig gewesen wären. Was der Kommissarsanwärter in Vernehmungen zu seinen Motiven gesagt hat, teilte Schulte aus ermittlungstaktischen Gründen nicht mit.

Das Bundekriminalamt hat sofort nach Bekanntwerden der Vorfälle die Abordnung des Mannes zum Polizeipräsidium Aachen aufgehoben und ihm die Führung der Dienstgeschäfte verboten. Inzwischen ist er aus dem Dienst entlassen worden.

Dem 23-Jährigen droht bei einer Verurteilung eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren.

Mehr von Aachener Zeitung