Kommentiert: Taten statt Worte sind gefordert

Kommentiert: Taten statt Worte sind gefordert

Studenten und Studentinnen oder Student/Innen oder doch lieber Studierende? In jedem Fall bitte politisch korrekt. Das Gesetz gibt letzterer Variante den Vorzug, das spüren jetzt auch die Studentenwerke.

Dabei ist es fraglich, ob das Wort „Studierende“ sinnvoll ist. Die Partizipialform suggeriert ja, dass der junge Mensch fortwährend lernt. Nach der Logik müssten sich Schützen in Schießende und Redakteure in Schreibende umbenennen.

In jedem Fall gilt das Wort „Studenten“ als verpönt — zu Unrecht. Die feministische Sprachwissenschaft geht davon aus, dass sich Frauen von dem Begriff nicht „mitgemeint“ fühlen — empirisch untersucht wurde das aber nicht. Tatsächlich dürften sich nur wenige Frauen diskriminiert fühlen. Das hat wohl auch etwas damit zu tun, dass Männer und Frauen an den Universitäten gleich repräsentiert sind — zumindest als Studenten.

Dass man sich unter Professoren eher Männer als Frauen vorstellt, ist richtig. Das hat aber nichts mit Grammatik und Sprache zu tun. Vielmehr spiegelt es die Realität wider. Es gibt nun einmal leider weitaus mehr Professoren als Professorinnen. Andersherum geht es aber auch: Wenn von Erziehern — übrigens ein männliches Wort — die Rede ist, stellt man sich doch eher eine Erzieherin als einen Erzieher vor. Sprache hat eine Macht, aber sie allein kann die Gesellschaft nicht verändern. Für eine Gleichberechtigung braucht es vielmehr Taten statt nur Worte.

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