Region: Kommentiert: Kaum zeitgemäß

Region: Kommentiert: Kaum zeitgemäß

Als TV-Zuschauer kann man die Aufregung um den schlechten Ton erwartungsgemäß nicht nachvollziehen. Die Pointen sitzen — zumindest akustisch.

Ein Tusch gleich zu Beginn, dann noch drei Minuten bis zum ersten Martin-Schulz-Witz. Doch im Laufe der zwei Stunden kommt bisweilen schon die Frage auf, ob der Saalzuschauer ohne Ton nicht besser dran gewesen ist? Warum die WDR-Verantwortlichen beispielsweise den EU-Parlamentarier Elmar Brok (CDU), bei dem selbst die Musik-Kapelle nicht mehr wusste, wann sie einen Tusch spielen sollte, nicht rausgeschnitten haben, bleibt ebenso ein Geheimnis wie die Motivation von Bettina Böttinger, sich als Queen Elizabeth II. in der AKV-Bütt zu blamieren. Stimmung können da selbst die Toningenieure vom WDR nicht mehr druntermischen.

Bei FDP-Chef Christian Lindner ist es das genaue Gegenteil: Das Publikum feiert und verlangt lautstark nach einer Zugabe, während man sich auf der Couch fragt, warum der Ton nicht wenigstens bei dieser Gesangsnummer einmal spontan ausgefallen ist. Der große Rest ist dann irgendwie Routine. Das Bühnenbild, Jens Riewa, Ingo Appelt, Markus Maria Profitlich — und Philipp zu Guttenberg applaudiert im Publikum. Selbst bei Traditionssendungen wie „Wetten, dass..?“ hat man bisweilen das Sofa ausgetauscht und den Bürgermeister aus der ersten Reihe entfernt, um dem Eindruck entgegenzutreten, uninspiriert zu wirken. Denn auch ein neuer Moderator im alten Frack und ein Linker im Narrenkäfig lassen den Orden wider den tierischen Ernst kaum mehr zeitgemäß erscheinen.

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