Kolumnisitin Anne Vogd veröffentlicht ihr erstes Buch

Kolumnistin Anne Vogd veröffentlicht Buch: Frohsinn, Blödsinn und ein wenig Ernst

Unsere Leserinnen und Leser kennen Anne Vogd. Alle zwei Wochen schreibt die 53-Jährige ihre Kolumne Annes Welt für unsere Zeitung. Nun legt sie mit „Ich hab‘s auch nicht immer leicht mit mir“ ihr erstes Buch vor.

Den Untertitel des Buches „Prosecco zum Lesen“ hat sie gewählt, weil sie eine kleine Auszeit vom Alltag bieten will, „die bestenfalls — ähnlich wie zwei Gläser Prosecco — stimmungsaufhellend wirkt“.Über die Idee hinter dem Buch und ihre Herangehensweise ans Leben hat Anne Vogd mit unserer Redakteurin Claudia Schweda gesprochen.

Ihre unseren Lesern bekannten Kolumnen liefern das Grundgerüst für Ihr Buch. Gehört es zum Studium der Diplomökonomin, humorvolle Episoden in einen Fluss über 300 Seiten zu bringen?

Anne Vogd: Es war nicht wirklich schwer, was jedoch nicht auf die „Diplomökonomin“ in mir zurückzuführen ist; sondern vielmehr auf meine Freude am Schreiben, konkret die Dinge zu beschreiben, die die Welt im Innersten zusammenhalten. Alltagssituationen, wenn man so will. Zum ersten Mal spürte ich das, als ich vor zehn Jahren eine sehr ungewöhnliche, weil sehr lustige Laudatio anlässlich des 50. Geburtstages meines Mannes gehalten habe. Sie diente mehr der Unterhaltung der Gäste als der Würdigung des Geburtstagskind.

Danach entwickelte sich alles wie von selbst. Erste Anfragen aus dem Karneval erreichten mich noch am selben Abend. Auftritte auf großen Bühnen folgten. 2016 erhielt ich dann den Comedy-Förderpreis und fing an Kolumnen zu schreiben. Ich schrieb immer mehr. Und irgendwann kam dann überraschend die Anfrage nach einem Buch. Die „Diplomökonomin“ hatte ich da schon lange ad acta gelegt. Der Zufall geht halt manchmal Wege, da kommt die Absicht gar nicht hin. Wichtig ist, dass man an sich glaubt und seine Talente nutzt, egal wie groß oder klein man sie selber einschätzt, denn unsere Wälder wären sehr still, wenn nur die begabtesten Vögel singen würden. Ich habe durch diese Denke mein Hobby zum Beruf machen können — und zwar zu einem, von dem ich mich im Urlaub nicht erholen muss. Dafür bin ich sehr dankbar.

Wie viel Konzept, wie viel Zufall stecken in dem Buch?

Vogd: Als ich im September 2017 von einem Literaturagenten aus München das Angebot erhielt, ein Buch zu schreiben, war klar, dass dieses Projekt kein Schnellschuss werden darf. Es sollte eben keine Ansammlung lustiger Zoten werden. Mein Anspruch war da doch etwas höher. Ich wollte einen inhaltlichen Bogen spannen, dem eine Auswahl an Themen untergeordnet wurde. Ich habe mir daher als erstes überlegt, wen ich mit meinem Buch ansprechen möchte — nämlich in erster Linie die Frau ab 40. Selbstverständlich sind auch Männer als Leser herzlich willkommen. Aber mit der Frau ab 40 verbindet mich nun mal am meisten. Und weil das so ist, standen dann auch ganz schnell die Themen fest. Ich habe einfach über das geschrieben, was mich selber beschäftigt.

Wie kommen Sie auf all den — mit Verlaub — Blödsinn?

Vogd: Die besten Geschichten liefert das Leben. Ich laufe einfach mit offenen Augen und Ohren durch die Welt. Ich bin oft „auf Empfang“, wenn ich unter Leuten bin. Darüber hinaus verlasse ich mich dann noch auf meine speziellen Sinne, wie den Frohsinn, den Unsinn und — wie von Ihnen bereits erwähnt — den Blödsinn. Davon habe ich besonders viel.

In der Tat fällt es schwer sich vorzustellen, dass sie einmal nicht lustig sein könnten.

Vogd: Ich bin nicht immer lustig und es nervt mich manchmal, dass es Leute gibt, die dies immer und überall, wo man zufällig aufeinandertrifft, von mir erwarten. Aber grundsätzlich bin ich schon ein lebensbejahender und lebensfroher Mensch. Ich gehe als Optimist durchs Leben, was aber nicht heißt, dass ich mit dieser Einstellung mehr gebacken bekomme als andere Menschen. Bildlich gesprochen hüpfe ich auch manchmal — fröhlich ein Liedchen pfeifend — dem nächsten Super-GAU entgegen.

Es gibt im Buch schreiend komische Passagen, dann wieder sachlichere Stellen, in denen Sie zum Lebensratgeber werden: Tu Dinge, die Dir Spaß machen! Genieß das Leben! Nimm Dich an, wie Du bist! Ist das die andere, weniger komische Seite von Anne Vogd?

Vogd: Eine gute Frage. Ja, sie ist es — definitiv. Ich bin ja in erster Linie ein Mensch, wie jeder andere auch, der sich Gedanken über das macht, was um ihn herum passiert. Daher sollte das Buch auch keineswegs eine platte Ansammlung von Gags und Pointen werden. Ich wollte vielmehr meine Sicht auf die Dinge (des Lebens) aufzeigen. Zwar auf humorvolle Art und Weise, aber doch so, dass ich in jedes Kapitel die ein oder andere persönliche Botschaft einstreue, die auch durchaus mal etwas unpopulär sein darf. Dies war mir einfach wichtig. Ich gehe mit diesem Anspruch aber sehr vorsichtig um, denn ich möchte keinen missionieren. Das Buch soll nicht der Versuch sein, mit einer Luftpumpe die Richtung des Windes zu ändern. Aber genauso wenig möchte ich mit meinen Inhalten der Cheerleader einer Mainstream-Meinung sein. Ich möchte mit dem, was ich sage, authentisch sein. Das bin ich, wenn ich als Mensch über das schreibe, was mich bewegt und ich bin es als Kolumnistin, wenn ich dabei einen Ton treffe, der dem Ganzen einen unterhaltenden Charakter verleiht.

War das Schreiben solcher Passagen neu für Sie?

Vogd: Das Schreiben ja. Das Denken nicht.

Wie viel Anne Vogd, wie viel Fantasie steckt in dem Buch?

Vogd: Wo „Anne Vogd“ drauf steht, sollte auch „Anne Vogd“ drin sein. Ich habe vieles von dem, was erzählt wird, selber erlebt: den Heiratsantrag, der tatsächlich im Dezember mit dem Argument erfolgte „wegen der Steuer“, der Chef, der mir anstelle einer fairen Bezahlung für geleistete Überstunden, lieber das „Du“ anbot usw. Aber ich habe auch meiner Fantasie freien Lauf gelassen. Übertreibung macht deutlich und ist ein wichtiges Instrument beim pointierten Schreiben.

Ist es in Ordnung für Sie, dass vor allem Frauen Sie gut finden?

Vogd: Absolut. Auf jeden Fall. Darüber freue ich mich sehr. Aber ich hoffe, nicht nur….

Hat Ihr Mann das Buch gelesen?

Vogd: Er ist gerade dabei.

Die Themen sind Familienchaos, Gewichtsprobleme, Ehestress. Haben Sie keine Angst vor Klischees?

Vogd: Das Bedienen von Klischees ist in der Comedy gängige Praxis, wenn man mit seinen Inhalten „mengenfähig“ sein möchte. Wenn eine Monika Gruber eine Halle mit 10.000 Menschen zum Lachen bringt, in dem sie die höhere Lebenserwartung von Frauen damit begründet, dass der Herrgott ihnen die Zeit gutschreibt, die sie fürs Einparken länger brauchen als Männer, ist das eine großartige Sache - finde ich. Ich kann darin nichts Verwerfliches erkennen und auch nichts, wovor man Angst haben müsste. Kritik diesbezüglich begegne ich mit leidenschaftlich gepflegtem Desinteresse. Was zählt, ist der Erfolg beim Publikum. Auch ich habe öfters in die Klischeekiste gegriffen, um meinem Ziel, den Leser gut zu unterhalten, näher zu kommen. Aber wenn ich mich dort bedient habe, dann immer auf eine mir angemessen erscheinende Art.

Ihr Aufstieg in der Unterhaltungsbranche ist rasant. Wann kommt die erste eigene Fernsehsendung?

Vogd: Ich weiß es nicht. Als Rheinländer sagt man ja ‚Et kütt wie et kütt‘. So denke ich auch. Ich plane meine Zukunft nicht. Der Weg entwickelt sich in dem Moment, in dem ich ihn gehe. So denke ich. Das ist meine persönliche Version eines Plans A, wenn man so will. Und wenn der nicht funktioniert, versuche ich es mit Plan B. Der sieht aber genauso aus wie Plan A — nur mit noch mehr Schokolade.

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