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Aachen: Koks und Geld für Fluchthilfe

Aachen : Koks und Geld für Fluchthilfe

Knapp neun Monate nach der Flucht eines Häftlings aus dem alten Aachener Gefängnis muss sich vor dem Landgericht jetzt ein ehemaliger Beamter der Justizvollzugsanstalt wegen Gefangenenbefreiung verantworten.

Mit dem 30-Jährigen teilen sich zwei weitere Personen die Anklagebank - unter anderem die Ex-Lebensgefährtin des noch immer Flüchtigen.

Der Ex-Beamte legte am Montag ein Geständnis ab. Er habe die Tat begangen, weil er für seine Bereitschaft „mitzuspielen” immer wieder Kokain bekommen habe und ihm 5000 Euro für das große Finale versprochen worden seien.

Er sei damals in einer äußerst labilen Verfassung gewesen, weil er unter seiner Arbeit gelitten habe und sogar in therapeutischer Behandlung gewesen sei. „Ich hatte in der JVA immer einen schweren Stand. Ich habe unter den dortigen Intrigen gelitten”, sagte der Angeklagte.

Die starke nervliche Belastung habe ihn schließlich an den Wochenenden zu Drogen greifen lassen. Den mitangeklagten Freund des geflohenen Häftlings habe er im März 2003 in einer Gaststätte kennen gelernt. Er habe recht bald darauf Briefe, Lebensmittel und Bücher in den Knast geschmuggelt, die für den inhaftierten Kumpel bestimmt waren.

„Ich ging sofort darauf ein, um auf einfache Weise Kokain zu bekommen.” Und schon habe das Ganze eine gewisse Eigendynamik entwickelt, die ihren Höhepunkt in der filmreifen Flucht am 7. September vergangenen Jahres fand.

Zunächst habe er abgelehnt mitzumachen. Eine Woche später und 2000 Euro reicher habe er sich aber anders entschlossen und den Häftling, der sein Bett extra präpariert hatte, bei einer Nachtschicht aus der Zelle gelassen.

Den Großteil des „Lohnes” will er bei einem Ibiza-Urlaub verprasst haben, wo sich auch der Entflohene den Stempeln seiner verschickten Postkarten nach zu urteilen kurz aufgehalten haben muss.

Mit einem Urteil ist kommenden Dienstag zu rechnen.