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Köln: Kölner Moschee: Viele offene Fragen

Köln : Kölner Moschee: Viele offene Fragen

Ihren Frieden haben die Kölner mit der geplanten Moschee im Stadtteil Ehrenfeld noch nicht gemacht. Und doch scheint der Bauherr, die Türkisch-Islamische Union (DITIB), nach einer zeitweise von Tumulten überschatteten Bürgerversammlung ein Stück weiter gekommen zu sein.

Rund 800 Kölnerinnen und Kölner haben sich am Dienstagabend in einer Schulaula über das umstrittene Bauvorhaben informiert. Doch ehe der Versammlungsleiter, Ehrenfelds Bezirksvorsteher Josef Wirges (SPD), die über 60 angemeldeten Wortbeiträge abarbeiten konnte, musste er die aggressiv auftretenden Aktivisten der rechtspopulistischen „Bürgerbewegung pro Köln” in die Schranken weisen. „Wenn Sie weiter so reden, dann haben Sie heute Abend frei”, warnte er die Funktionäre der Gruppe schon zwei Minuten nach Versammlungsbeginn.

Seit Monaten wirbt die auch im Stadtrat vertretene Partei mit ihren Protest gegen den Moscheebau um Anhänger. Ein von ihr initiiertes Bürgerbegehren gegen das Bauvorhanden fand allerdings zu geringen Zuspruch. Für die Funktionäre und Sympathisanten von „pro Köln” Anlass genug, um am Dienstag mit anhaltenden Zwischenrufen und Wortgefechten für Aufsehen zu sorgen. Nachdem einer von ihnen Versammlungsleiter Wirges (SPD) als „Nazi” tituliert haben soll, ließ dieser mehrere Personen aus dem rechten Umfeld von Polizei und Ordnungsdienst aus dem Saal entfernen.

Nur allmählich kamen in der aufgeheizten Stimmung auch andere Redner zu Wort: Der geplante repräsentative Kuppelbau für 2000 Gläubige mit den beiden 55 Meter hohen Minaretten sei zu dominant für das urkölsche, leider etwas verlebte „Veedel”, bekamen die Vertreter der DITIB wiederholt zu hören. Auch lasse sich die islamische Organisation zu wenig in die Karten schauen. „Es besteht die Gefahr, dass in den Mauern des muslimischen Gemeindezentrums eine Parallelgesellschaft entsteht”, warnte eine Kölnerin.

Zahlreiche Anwohner äußerten Bedenken angesichts der bereits heute bestehenden hohen Verkehrsbelastung in ihrem Stadtteil. Sie fürchten, dass es beim Freitagsgebet zum Kollaps auf den Straßen kommen wird; Sorgen, die auch der Kölner Planungsdezernent Bernd Streitberger nicht wirklich ausräumen konnte.

Andere Diskussionsteilnehmer stellten die Chancen des Großprojekts in den Vordergrund. „Ich bin ene escht kölsche Mädsche´”, betonte eine junge Frau mit Kopftuch unter dem Beifall der Anwesenden, um danach als Deutsche türkischer Herkunft vehement für das muslimische Gotteshaus zu werben: „Unsere Türen sind offen, wir haben nichts zu verbergen. Unsere Nachbarn sind herzlich eingeladen und wir werden alle ihre Fragen beantworten.”

Nicht jeder teilte diesen Eindruck. Ein Nachbar sagte, der Islam sei wie jede andere Religion ein totalitäres System und stehe inhaltlich noch rechts von den Nazis. „Eine so große Moschee und ihr moslemisches Umfeld behindert die Integration”, fürchtete er.

Das Publikum in dem lange Zeit überfüllten Saal war - so weit erkennbar - überwiegend deutsch, darunter auch prominente Ehrenfelder wie der Schriftsteller Günter Wallraff („Ganz unten”).

Nach fast dreieinhalb Stunden Debatte war die Stimmung sachlich und konstruktiver geworden. Gegner und Befürworter der neuen Moschee redeten miteinander, ohne unbedingt zu einer Meinung kommen zu müssen. Noch bis 8. Juni können die Anwohner ihre Bedenken und Anregungen beim Bezirksamt einreichen. Bis zum Jahresende könne dann die Baugenehmigung vorliegen, hieß von der Stadt weiter.