Kölner Gruppe hielt 25-Jährigen wie einen Sklaven

Täter verurteilt : Kölner Gruppe hielt 25-Jährigen wie einen Sklaven

Sieben Männer und Frauen, die im Februar einen 25-Jährigen fünf Tage lang in ihrer Gewalt hatten, sind am Dienstag vom Landgericht Köln zu Freiheitsstrafen verurteilt worden. Die Urteile gegen die 16 bis 34-Jährigen ergingen wegen Raubes in Tateinheit mit Freiheitsberaubung, gefährlicher Körperverletzung und Nötigung.

Die Strafen bewegten sich zwischen eineinhalb Jahren Gefängnis mit Bewährung sowie viereinhalb Jahren ohne Bewährung. Die Bewährungsstrafen wurden vom Gericht an enge Auflagen gebunden, wie regelmäßige Drogentests oder geregelter Schulbesuch. Das Gericht sprach von einer „tragischen, grausamen und außergewöhnlichen Tat“.

Laut dem Urteil hatte der 25-Jährige, der an ADHS und Epilepsie leidet, Chatkontakt mit einer 30-jährigen Angeklagten. Am Tattag verabredeten sich beide in einer Kölner Wohnung, in der die Obdachlose zwischenzeitlich wohnen konnte. Als das spätere Opfer dort ankam, hielten sich dort auch die anderen Angeklagten auf, „chillten und konsumierten Drogen“, wie der Vorsitzende Richter Prof. Jan Orth sagte. Nach Überzeugung des Gerichts hatte die Gruppe zunächst den Plan, den Geschädigten „abzuziehen“, was sie auch in die Tat umsetzten. Sie nahmen dem Geschädigten Smartphone, Ohrhörer, Markensportschuhe, Kappe und Halskette ab.

Als der Geschädigte versucht habe, die Wohnung zu verlassen, hinderten ihn die Beschuldigten und schlossen die Wohnungstür ab. Dann beschloss die Gruppe, den 25-Jährigen zu „dauerhafter sklavenähnlicher Arbeit“ heranzuziehen. „Keiner hat widersprochen, alle haben fröhlich mitgemacht“, stellte Orth mit Entsetzen fest.

Die folgenden fünf Tage musste der 25-Jährige demnach Putzen, Wäsche waschen, Spülen, Müll sortieren. Weigerte er sich, wurde er geschlagen, getreten und auf einen Stuhl gefesselt. Und die Gruppe demütigte den 25-Jährigen wiederholt. Einmal musste der junge Mann im Bikini auf High Heels mit einem Damenslip auf dem Kopf putzen und wurde dabei fotografiert und gefilmt. Ein anderes Mal musste er sich nackt ausziehen. Dann wird der 25-Jährige in der Dusche kalt abgebraust und zusammengeschlagen. „Der Geschädigte musste nachts auf einer dünnen Isomatte neben dem Katzenklo schlafen“, erörtert der Vorsitzende. Zu essen habe der Geschädigte nichts bekommen, nur gelegentlich etwas Wasser zum Trinken.

Nach fünf Tagen konnte sich der 25-Jährige mit einer „filmreifen Aktion“ fliehen. Als er alleine in der Wohnung war, öffnete er ein Fenster und seilte sich an zusammengeknoteten Decken aus dem zweiten Obergeschoss ab. Anschließend fuhr der junge Mann mit der S-Bahn zum Kölner Hauptbahnhof und wendete sich an die Bundespolizei.

(dpa)
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