Umstrittene Islamkonferenz: Kölner Bürgermeister fühlt sich von Ditib hintergangen

Umstrittene Islamkonferenz : Kölner Bürgermeister fühlt sich von Ditib hintergangen

Im Streit um eine Islamkonferenz in der Kölner Ditib-Zentralmoschee auch mit Teilnehmern aus dem Kreis der radikalen Muslimbruderschaft fühlt sich die Stadtspitze hintergangen.

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) zeigte sich verärgert und „irritiert“ über die türkisch-islamische Union. Ein Sprecher Rekers sagte der „Kölnischen Rundschau“ (Dienstag), das Vorgehen der Ditib widerspreche einer vom Verband kürzlich in Aussicht gestellten Öffnung. Zugleich betonte er: „Radikalismus hat in Köln keinen Platz.“

An der internationalen Veranstaltung in der vergangenen Woche, über die die Stadt nicht unterrichtet worden war, sollen Vertreter der islamistischen Muslimbruderschaft teilgenommen haben. Sie wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Der Köln-Ehrenfelder Bezirksbürgermeister Jürgen Wirges (SPD) sagte im ARD-„Morgenmagazin“, über den dreitägigen Kongress europäischer Muslime bis 4. Januar habe die Ditib ihn nicht informiert. „Ich fühle mich da schon etwas hinter die Fichte geführt.“

Die Ditib wird von der türkischen Religionsbehörde Diyanet gesteuert, deren Präsident Ali Erbas bei der Kölner Konferenz eine zentrale Rolle spielte. Laut NRW-Innenministerium gehören zwei in Medienberichten namentlich genannte Konferenz-Teilnehmer zur Muslimbruderschaft (MB).

Ein Ditib-Sprecher hatte zu den Vorwürfen auf dpa-Anfrage zunächst gesagt, bei einem „innerislamischen Dialog“ mit 100 Teilnehmern aus 17 europäischen Ländern solle man die Anwesenheit zweier MB-Vertreter „in Verhältnismäßigkeit“ sehen. Am Montagabend hieß es dann in einer verbreiteten Ditib-Erklärung, nach langem Streit wolle der Verband einen Beitrag zur „Deeskalation“ leisten. Es habe auch Versäumnisse auf Seiten der Ditib gegeben und „berechtigte Kritik“.

Die Ditib mit mehr als 900 Moscheegemeinden bundesweit steht wegen ihrer großen Nähe zur türkischen Regierung, nach einer Imam-Spitzelaffäre und Berichten über nationalistische Propaganda in einigen Gemeinden unter Beschuss. Der Bund fördert keine Projekt in Ditib-Trägerschaft mehr, NRW hat die Kooperation ausgesetzt. Die Eröffnung der Kölner Moschee durch Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte Empörung ausgelöst.

(dpa)