Köln: Köln trauert um Autorenn-Opfer: Stadt will durchgreifen

Köln : Köln trauert um Autorenn-Opfer: Stadt will durchgreifen

Radfahrer halten an und nehmen sich ein paar Minuten Zeit, Menschen legen Blumen nieder, andere zünden Kerzen an. Köln trauert um den 26 Jahre alten Radfahrer, der vermutlich durch ein illegales Autorennen ums Leben gekommen ist. Er ist wohl schon der dritte Unfalltote, der allein in der Domstadt in diesem Jahr auf das Konto von Teilnehmern illegaler Autorennen geht.

Stadt und Polizei wollen deshalb deutlich schärfer gegen die Szene vorgehen als bislang. „Wir werden alles dafür tun, Raser von der Straße zu holen”, sagte Stadtdirektor Guido Kahle nach einem Gespräch mit der Polizei am Mittwoch.

Es werde unter anderem mehr kontrolliert, an den populären Strecken für die Autorennen soll häufiger geblitzt werden - auch mit bislang nicht eingesetzter Technik. Außerdem werde der Verkehr auf den Strecken verlangsamt, die von den Rasern für ihre illegalen Rennen gerne genutzt werden. „Wir können zum Beispiel Poller einsetzen oder Bremsschwellen”, sagte eine Stadtsprecherin am Abend. Es soll zudem enger mit Auto-Vermietungen zusammengearbeitet werden, damit wichtige Daten zu den Fahrern schneller übermittelt werden. „Natürlich haben auch Raser eigene Autos, aber die wollen die nicht kaputtfahren. Da mieten sie lieber eines”, hieß es bei der Stadt.

Geplant ist auch eine engere Zusammenarbeit mit der Justiz, damit Verfahren gegen Raser schneller bearbeitet, Führerscheine schneller eingezogen und manipulierte Fahrzeuge stillgelegt werden. „Wir werden die Raser zu Fußgängern machen”, sagte die Stadtsprecherin. Das veröffentlichte Paket liste nur einen Teil der vereinbarten Maßnahmen auf.

Allein in diesem Jahr sind in Köln vermutlich drei unbeteiligte Menschen bei illegalen Autorennen ums Leben gekommen. Am Donnerstagabend wollen Trauernde zu einer Mahnwache und zum stillen Protest an der Unfallstelle zusammenkommen. Bereits seit Anfang Mai geht die Ermittlergruppe „Rennen” gegen die Raser-Szene vor. In diesem Zeitraum seien 8600 Autos kontrolliert worden.

An der Stelle, an der sich der jüngste Unfall am Freitag ereignete, bildeten Blumen, Kerzen und Fotos am Mittwoch eine Gedenkstätte. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln gegen die beiden Autofahrer, die in den Crash verwickelt waren, wegen fahrlässiger Tötung. Die Männer im Alter von 26 und 29 Jahren sollen sich am Freitagabend in der Innenstadt mit Mietwagen ein illegales Rennen geliefert haben. Dabei hatte sich einer der Wagen mehrfach überschlagen und den 26-jährigen Radfahrer erfasst.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft unterstützt ebenso wie die Grünen eine PS-Obergrenze für junge Autofahrer. Es sollte darüber nachgedacht werden, „den Zugang junger Fahrer zu leistungsstarken Autos zum Selbst- und Fremdschutz einzuschränken”, sagte der Landesvorsitzende Erich Rettinghaus.

Begonnen hatte die Kölner Serie tödlicher Autorennen in diesem Jahr am 26. März: Ein 19-jähriger Autofahrer krachte in ein Taxi, in dem ein österreichischer Fahrgast durch die Kollision starb. Der junge Mann hatte sich der Polizei zufolge mit einem 21-Jährigen ein Rennen geliefert.

Am 14. April der nächste Tote: In Köln-Mülheim rasten ein 22 und ein 21 Jahre alter Autofahrer mit Limousinen durch die Stadt. Das Todesopfer: eine junge Radfahrerin, 19 Jahre alt, sie fuhr vorschriftsmäßig auf einem Radweg. Das Auto des mutmaßlichen Rasers soll mehr als 100 Stundenkilometer schnell gewesen sein, als es die junge Frau tötete. Auch im benachbarten Leverkusen lief ein illegales Rennen aus der Spur: Ein Radfahrer überlebte verletzt.

„Dieses testosterongesteuerte, lebensgefährliche Verhalten muss gestoppt werden. Das sind wir den Opfern schuldig”, kündigte der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers an.

(dpa)