Spurensuche bis nach China: Koch soll Kollegen zerstückelt haben

Spurensuche bis nach China : Koch soll Kollegen zerstückelt haben

Der Flug war schon gebucht. An einem Sommertag im Juli 2016 will der Mann, der zuvor als Koch in einem Kölner Restaurant gearbeitet und Spezialitäten aus seiner Heimat kredenzt hat, zu seiner Familie fliegen - nach China. Wie man heute weiß, kommt er dort nie an.

Stattdessen wird der Koch nur einen Tag nach dem geplanten Flug von Kindern am Rheinufer gefunden: tot, kopflos und eingepackt in einen Plastiksack. Umgebracht und zerstückelt von einem Kollegen, wie die Staatsanwaltschaft glaubt.

Genau dieser Kollege sitzt am Mittwoch vor der fünften großen Strafkammer des Landgerichts Köln. Die Richter wollen Licht in das Dunkel eines Falls bringen, der der Polizei viele Rätsel aufgegeben hat. Kontinuierlich ist das Murmeln eines Dolmetschers zu hören, der dem Angeklagten die Vorwürfe übersetzen muss. Der 37-Jährige spreche ausschließlich Chinesisch, sagt sein Verteidiger Raphael Botor. „Weder Englisch, noch Deutsch, irgendwelche Brocken - gar nichts.“

Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass der 37-Jährige - ebenfalls ein Koch aus China - seinen Kollegen in den Sack gesteckt hat, der im Juli 2016 gefunden wurde. Zuvor habe er ihn umgebracht, wenn auch auf „unbekannte Weise“, wie es die Staatsanwältin formuliert. Daher ist auch Totschlag angeklagt, nicht etwa Mord. Anschließend habe der eine Koch den anderen zerteilt, „indem er die Arme, Beine und den Kopf mit verschiedenen Messer- und Sägewerkzeugen abtrennte“.

Ein Stück Absperrband der Polizei markiert den Ort, an dem im Juli 2016 am Rheinufer in Köln Leichenteile in einem Plastiksack gefunden wurden. Foto: dpa/Henning Kaiser

Der Torso kam an den Rhein, Schädel und andere Knochen in ein Kölner Waldstück. Makabererweise wurde auch dieser Teil der Leiche Monate später von Kindern gefunden. Sie waren auf einem Schulausflug.

Das Motiv? Die beiden Köche sollen im Clinch gelegen haben. Im Restaurant sei es immer wieder zu Streitereien gekommen, auch zu Handgreiflichkeiten, sagt die Staatsanwältin. Sogar auf der Straße hätten sich die beide Männer, die jeweils in einem Angestellten-Zimmer des Restaurants wohnten, geprügelt.

Der Angeklagte äußert sich am ersten Prozesstag nicht zu den Vorwürfen. Etwas verloren blickt er in den Gerichtssaal, über die Schultern hat er sich einen Parka geworfen. Sein Verteidiger betont allerdings, dass er die Anschuldigungen zuvor stets bestritten habe. In den Akten findet sich der Satz „Ich möchte nur sagen, das ich ihn nicht getötet habe“. In dem Protokoll spricht er auch von einem ominösen Dritten, bei dem es sich um jemanden handele, der als Ersatz für den Kollegen eingestellt worden sei. Alles Weitere bleibt vorerst im Dunkeln: „Jetzt möchte ich keine weiteren Angaben machen, da ich Angst habe, etwas Falsches zu sagen.“

Sein Anwalt hat dem Koch versprochen, ihn solange zu begleiten, bis er das Gericht als freier Mann verlassen kann, wie er sagt. Er gibt sich dahingehend auch zuversichtlich. „Das ist ein reiner Indizienprozess“, sagt Verteidiger Raphael Botor. Diese Indizien sollen im weiteren Verlauf des Prozesses besprochen werden.

Nach gut zwei Stunden ist der erste Prozesstag beendet. Termine für das Verfahren gibt es noch bis Mitte Dezember. Der Richter erklärt, wie es nun weitergeht: „Am morgigen Hauptverhandlungstag wird sich die Kammer den Zeugen zuwenden, die bei unterschiedlichen Gelegenheiten Leichenteile des Geschädigten gefunden haben.“

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