Aachen/Düren: Knöllchen-Streit: Polizei soll Schuld gewesen sein

Aachen/Düren : Knöllchen-Streit: Polizei soll Schuld gewesen sein

Wie widersprüchlich Aussagen über ein und dasselbe Ereignis sein können, konnte man am Dienstag am Aachener Landgericht erleben. Vor der 5. Großen Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Regina Böhme berichtete ein 28-Jähriger, einer von drei Angeklagten aus einer Familie, aus seiner Sicht, wie es wegen eines Knöllchens zur Attacke auf die Dürener Polizisten kam.

Zusammen mit seinem Bruder und seinem Vater steht er wegen gefährlicher Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte vor Gericht. Der Vater und seine Söhne sollen am 12. November einen letztlich rund 20-köpfigen Polizeieinsatz ausgelöst und dabei einen der Beamten massiv im Gesicht verletzt haben. Zu den schlimmen Vorwürfen gab der 28-Jährige, der jüngere der zwei angeklagten Brüder, eine Erklärung ab, die von seinem Verteidiger Hans Jürgen Wings (Eschweiler) verlesen wurde.

Demnach hatte er von einem seiner noch nicht volljährigen Brüder gegen 13.30 Uhr einen dringenden Hilfeanruf erhalten. Die Polizei sei da, der Familie gehe es an den Kragen. Warum, das habe er nicht erfahren können, sagte der 28-Jährige auf Nachfragen von Staatsanwalt Joel Güntert.

Als er dann am Haus der Eltern ankam, habe er die Mutter auf dem Gehweg neben Plastiktüten mit Autowerkzeug vorgefunden, der Vater sei dabei gewesen, einen Reifen an seinem Pkw zu wechseln. Er sei von der Mutter aufgefordert worden, die Sache zu übernehmen. Er habe die Polizisten gefragt, was denn los sei. Doch einer der Beamten habe sich sofort auf ihn gestürzt, ihn niedergerungen, ihn brutal am Boden fixiert. Sein Handy sei bewusst zertreten worden, er selbst sei gegen den Kopf getreten und weiter im Polizeiwagen sowie später in der Zelle übel malträtiert worden.

Der Zeuge, der Auslöser für den Streit war, schilderte den Vorfall allerdings erheblich anders. Errol E., Mitarbeiter des Ordnungsamts, war in die Straße gekommen, weil es dauernd Beschwerden über Falschparker gab. Weil er von dem Vater übel angemacht und bedroht worden sei, habe er die Polizei zu Hilfe gerufen, dann sei die Sache innerhalb kürzester Zeit eskaliert. Der Sohn habe sich den Beamten widersetzt, sagte der Zeuge aus. Der Prozess wird am Donnerstag, 1. Juni, fortgesetzt.

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