Düsseldorf/Essen: Klinikstreik in Düsseldorf: „Das ist keine Fließbandarbeit”

Düsseldorf/Essen : Klinikstreik in Düsseldorf: „Das ist keine Fließbandarbeit”

Überstunden, seltene Mittagspausen, krankheitsbedingte Ausfälle und Azubis, die sich allein gelassen fühlen - Manuela Homberg kennt die alltäglichen Probleme in der Düsseldorfer Uniklinik. Auf manchen Stationen seien für mehr als 30 Patienten nur zwei Pfleger vorgesehen.

„Selbst wenn sich keiner krank meldet, ist das noch zu wenig”, sagt die gelernte Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin und Personalrätin an der Klinik. „Patienten sind nicht vorhersehbar”, betont sie. „Das ist keine Fließbandarbeit.”

Für eine bessere Personalausstattung hat die Gewerkschaft Verdi für Dienstag den Beginn eines unbefristeten Streiks an der Uniklinik angekündigt. Am Wochenende werde aber nicht gestreikt, hieß es. In Essen haben Mitarbeiter der dortigen Uniklinik bereits am Montag die Arbeit niedergelegt. Hier soll der Ausstand bis einschließlich Mittwoch dauern. Verdi rechnet insgesamt mit rund 900 Streikenden pro Tag.

Notfälle werden nach Angaben eines Sprechers der Düsseldorfer Uniklinik in dieser Zeit aber versorgt. Planbare Operationen würden dagegen verschoben. „Das trifft Kinder genau wie Senioren.” Die Klinik versuche, alle Betroffenen zu informieren. In der ambulanten Versorgung müssten sich Patienten auf teils enorme Wartezeiten einstellen, sagt der Sprecher. Er empfiehlt, die zuständige Fachabteilung vorab anzurufen. „Wir versuchen, uns bestmöglich vorzubereiten.” Die Patientenbelegung wurde von über 1000 auf 900 reduziert. Patienten wurden entlassen, in andere Kliniken verlegt oder gar nicht erst aufgenommen.

Schon vergangene Woche waren wegen Warnstreiks unter anderem viele Operationen abgesagt worden. Verdi will Haustarife über die Mindestbesetzung der Stationen an den Unikliniken in Düsseldorf und Essen erzwingen. Die Klinikleitungen lehnen das ab. „Der Streik ist in unseren Augen sinnlos”, sagt der Düsseldorfer Kliniksprecher. Die Leitungen dürften solche Tarifverträge gar nicht abschließen, argumentieren sie. Das sei Aufgabe der Tarifgemeinschaft der Länder (TdL).

Das sieht auch das nordrhein-westfälische Finanzministerium so. Demnach dürfen die Unikliniken nur mit Genehmigung des Arbeitgeberverbands des Landes NRW Tarifverträge abschließen. Der Verband brauche wiederum die Erlaubnis der TdL.

Die Streikverantwortlichen sehen die Kliniken dennoch in der Pflicht. „Personalbedarf kann man nicht bundesweit einfach schneidern”, sagt Martin Körbel Landwehr, Personalratsvorsitzender der Uniklinik Düsseldorf. Solche Tarifverträge müssten vor Ort angepasst werden.

Der Gewerkschaft geht es nicht nur um Pflegepersonal, sondern auch um Handwerker und Angestellte im Transportdienst oder in Elektro- und Medizintechnik. Ein großer Kritikpunkt ist zudem die Ausbildung der Azubis. Sie bleibe wegen des Personalmangels auf der Strecke. „Sie können mitlaufen”, sagt Homberg. Um ihnen aber etwa in Ruhe zu zeigen, wie ein Verband gewechselt wird, fehle die Zeit. Wegen schlechter Arbeitsbedingungen würden viele Azubis abbrechen.

Nach Einschätzung von Niko Köbbe, Gewerkschaftssekretär Bezirk Düssel, Rhein und Wupper, ist die Uniklinik in der Landeshauptstadt kein Einzelfall: „Die Situation der Beschäftigten in Düsseldorf ist besonders angespannt” - ähnliche Probleme hätten Kliniken aber bundesweit. Nach einer Erhebung von Verdi müsste das Pflegepersonal deutschlandweit um 22 Prozent aufgestockt werden.

Mit Blick auf die Auswirkungen für die Patienten sagt Köbbe: „Das ist das Ultima-Ratio-Prinzip, wir sehen keine andere Möglichkeit mehr.” Zudem werde neben den gesundheitsschonenden Arbeitsbedingungen eben auch für eine bessere Patientenversorgung gestreikt.

(dpa)
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