Region: Kliniken der Region arbeiten durch Grippewelle an Belastungsgrenze

Region : Kliniken der Region arbeiten durch Grippewelle an Belastungsgrenze

Das Würselener Rhein-Maas Klinikum muss den Kreißsaal schließen, auch das Stolberger Krankenhaus meldet wegen der Grippewelle eine angespannte Personalsituation. „Die seit Dezember andauernde Grippewelle bringt viele unserer Krankenhäuser an ihre Kapazitätsgrenze“, erklärte der Präsident der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen (KGNW), Jochen Brink, am Freitag.

„In den Notaufnahmen und internistischen Stationen ist ein deutlicher Anstieg von Grippekranken zu beobachten“, so Brink weiter.

In der Städteregion ist aufgrund der Grippewelle, die laut dem Robert Koch-Institut ihren Höchsttand erreicht hat, die Situation generell angespannt. Die Patientenzahl wächst, die der Krankmeldungen von Mitarbeitern auch. So fallen in Stolberg wegen Krankheit zwölf Prozent der 900 Mitarbeiter aus. Im Aachener Luisenhospital wurde ein Station geschlossen, weil mehrere Patienten an Grippe erkrankt sind.

Angespannt ist die Personalsituation auch in den Häusern in Düren, Schließungen von Stationen oder Abteilungen sind dort aber kein Thema. „Der Krankenstand unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist deutlich höher als sonst“, sagte Christoph Lammertz, Sprecher des Dürener Krankenhauses. Mit größtmöglicher Anstrengung würde es aber gelingen, den Klinikbetrieb in gewohntem Maße beizubehalten. Ähnlich sieht es bei den von der Caritas Tragegesellschaft West (ctw) geführten Häusern in Birkesdorf und Lendersdorf aus. „Die Personalsituation ist zwar sehr angespannt“, betonte ctw-Sprecher Kaya Erdem. „Noch aber können wir alle Angebote aufrechterhalten.“ Allerdings sei die Belastungsgrenze der verbliebenen Mitarbeiter nahezu erreicht.

Ähnlich gestaltet sich die Lage in Heinsberg, Geilenkirchen und Erkelenz. „Wir haben ebenfalls einen hohen Krankenstand“, sagt Tobias Kolen von der Geschäftsleitung des Städtischen Krankenhauses Heinsberg. „Die Innere und die Chirurgische Abteilung sind zu 100 Prozent ausgelastet“, sagte er. Es hätten Notbetten dazu geschoben werden müssen. Das habe dazu geführt, dass sich das Krankenhaus in einigen Nächten vom Notdienst abgemeldet habe.

Roland Brudermanns, Verwaltungsdirektor des Geilenkirchener St.-Elisabeth-Krankenhauses, hat Mitarbeiter mit schniefenden Nasen gesehen und weiß von einigen Krankmeldungen. Die aber hätten keine großen Auswirkungen auf den Krankenhausbetrieb, sagte er. Manche von grippalen Infekten Betroffene hätten kurzfristig den Dienst getauscht oder würden trotz Erkrankung arbeiten. In der Urlaubszeit, gestand Brudermanns, hätte solch eine Grippewelle allerdings viel gravierendere Auswirkungen.

Da die teils schwer erkrankten Patienten in aller Regel isoliert würden, führe das oft zu Engpässen bei der Zimmerbelegung. Die KGNW warnte deshalb vor weiteren Sparmaßnahmen in der medizinischen Versorgung. „Vor dem Hintergrund von unerwarteten Ereignissen wie Influenza-Epidemien ist der vielfach geforderte Kapazitätsabbau in unserer Krankenhauslandschaft und der damit verbundene Bettenabbau das falsche Signal an unsere Bevölkerung“, betonte Brink. Bereits zwischen 2006 und 2016 sei die Zahl der Kliniken in NRW von 437 auf 348 reduziert worden. Im selben Zeitraum habe es aber einen Anstieg der stationär behandelten Patienten von 3,9Millionen auf 4,6 Millionen jährlich gegeben. „Der aktuelle Kapazitätsengpass zeigt sehr deutlich, dass eine Kapazitätsreduzierung gefährlich ist“, konstatierte Brink.

(bea/jozi/ja/mib/st/tp/jan)
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