Aldenhoven: Klimaschutzpreis: Junge Brüder kämpfen für die Umwelt

Aldenhoven: Klimaschutzpreis: Junge Brüder kämpfen für die Umwelt

„Es ist meine Zukunft und deswegen möchte ich dafür kämpfen!“ Der zwölfjährige Henri Mommertz weiß ganz genau, warum er sich zusammen mit seinem jüngeren Bruder Anton in der Umweltinitiative „Plant for the Planet“ engagiert. Für ihren Einsatz werden die beiden am 22. Februar mit dem ersten Platz des innogy-indeland Klimaschutzpreises 2017 ausgezeichnet, der mit 2500 Euro dotiert ist.

Henri und Anton sind Botschafter bei „Plant for the Planet“. Die Umweltinitiative richtet sich an Kinder im Alter von acht bis 14 Jahren. Dise Kinder werden in der Zukunft leben, die die Erwachsenen schon heute beeinflussen — und die sieht in Bezug auf das Klima nicht gerade rosig aus: Die Temperaturen werden extremer, das Eis schmilzt und der Meeresspiegel steigt schneller an als erwartet.

Umso wichtiger werden da Kinder wie Henri und Anton. Sie klären vor allem Gleichaltrige, aber auch Erwachsene, über den Klimawandel auf, schaffen ein Bewusstsein für globale Gerechtigkeit und das Wichtigste: Sie handeln. Die beiden sorgen dafür, dass Bäume bei Pflanzaktionen beispielsweise in ihren Klassen sowie auch beim Waldfest in Eschweiler vergangenen Oktober gesetzt werden. Dank Henri und Anton sind mittlerweile 300 Bäume mehr in der Erde, die Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre binden und so der globalen Erwärmung entgegenwirken.

„Unser Ziel ist es, einfach viel zu machen“, erklärt der neunjährige Anton motiviert. Dabei geht es den beiden nicht ausschließlich um das Pflanzen. Als Botschafter halten sie vor allem Vorträge — vor Kindern in Schulen, Erwachsenen in Seniorenheimen oder sie halten ihre Präsentation bei offiziellen Veranstaltungen. Henris größter Vortrag war 2015 bei der Kinderuni an der RWTH Aachen vor 700 Zuhörern.

Die Brüder suchen ständig nach neuen Ideen, wie sie viele Menschen erreichen können, um auch Spenden einzusammeln. Ein besonderes Erlebnis war für die Jungs die Zusammenarbeit mit der Band Kasalla im vergangenen Sommer, wo sie auf einem Konzert der Kölner mit deren Unterstützung Spenden gesammelt haben.

Botschafter mit acht Jahren

„Wir durften da bei einem Konzert auf die Bühne, und über das Projekt erzählen. Das war sehr praktisch“, berichtet Henri, der die Band zwei Jahre lang angeschrieben hat bis die Koordination dann geklappt hat. Durchhaltevermögen und den Willen, etwas zu verändern, kann man den beiden definitiv nicht abstreiten.

Henris Motivation bei „Plant for the Planet“ mitzumachen fing schon früh an. Mit sechs Jahren hat er von dem Projekt erfahren und wollte gleich mitmachen, durfte es aber noch nicht, da er zu jung war. Nach zwei — für ihn sehr langen — Jahren konnte er dann Botschafter werden und bildet seitdem bei den eintägigen Akademien selber Kinder aus — darunter auch sein Bruder Anton 2016. „Henri hat mich infiziert, und ich habe gedacht — ja, da muss ich auch helfen“, sagt Anton. Ihre Termine, Akademievorträge und Aktionen halten sie seitdem in einem großen grünen Ordner fest. So auch der Bericht über die Gala „Menschen 2015“ des Zeitungsverlages, bei der Henri nicht nur auf der Bühne war, sondern die Zeit hinter den Kulissen genutzt hat: „Von der Gala habe ich viele Kontakte bekommen. So ergibt sich oft aus der einen Sache, eine andere Sache.“ Ihr nächster großer Auftritt wird daher auch beim CHIO sein, wo sie auf der Bühne des Zeitungsverlages über ihr Engagement berichten werden. Von Angst oder großem Lampenfiber fehlt aber jede Spur. Schritt für Schritt geht es weiter und damit wächst der Mut und die Motivation.

Die Familie, die generell umweltbewusst lebt, steht komplett hinter den beiden und Mutter Verena Mommertz sagt stolz: „Wir unterstützen natürlich sehr gerne. Phasenweise kann es aber anstrengend werden, wenn viele Termine auf einmal sind.“ Aber auch die Eltern lernen von den Kindern, was sich vor allem beim Reisen zeigt: „Meine Kinder erklären anderen in den Akademien wie schlecht Fliegen ist, also können wir uns auch nicht einfach in das Flugzeug setzen. Ich weiß nicht, ob ich das sonst auch so gesehen hätte.“

Sponsoren gesucht

Henri und Anton sind relativ häufig bei den Akademien zu Gast und erklären dann vor etwa 50 Kindern, warum ihre Arbeit wichtig ist und wie sie Botschafter für Klimagerechtigkeit sein können. Jetzt wollen sie selber eine Akademie initiieren, wo Kinder spielerisch mehr über die globale Erwärmung erfahren, in Workshops lernen, Vorträge zu halten, und natürlich Bäume pflanzen.

Das alles kostet viel Geld. Mit dem Preisgeld von 2500 Euro ist der Anfang schon gemacht. Aber das reicht noch nicht, die Jungs wollen 8000 Euro zusammenbringen. Damit wären alle Kosten gedeckt und gleich zwei weitere Akademien im Ausland finanziert. Daher suchen sie dringend noch Sponsoren, die „ihre“ Akademie, die am 29. September am Blau-steinsee stattfindet, unterstützen. Die Teilnahme für interessierte Kinder ist kostenlos.

Die beiden freuen sich sehr auf den Ausbildungstag und hoffen auf viele neue Gesichter neben ihren Freunden, die sie bereits für die Akademie rekrutiert haben. Henri und Anton sind ein gutes, eingespieltes Team, das die oft viele Arbeit sehr gerne in Kauf nimmt: „Uns macht es Spaß, unsere Zukunft zu gestalten“, erklären beide. „Wir wollen ja auch, dass unser Leben so schön bleibt und nicht schlimmer wird.“ Gerade deswegen ist das Engagement von Kindern und Jugendlichen so wichtig.

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