Erkelenz/Kerpen: Klimacamp-Teilnehmer kämpfen erneut für eine bessere Zukunft

Erkelenz/Kerpen: Klimacamp-Teilnehmer kämpfen erneut für eine bessere Zukunft

Es wird in den kommenden Tagen keine Liveschaltungen zu Fernsehreportern geben, die am Rande des Klimacamps atemlos davon berichten, was die Aktivisten wohl als nächstes planen, wo die nächste Aktion, die nächste Baggerbesetzung, der nächste Tagebausturm stattfindet.

Es werden keine Journalisten in ihren Autos durchs Rheinische Revier hetzen, um so nah wie möglich dabei zu sein, wenn die Polizei die Aktivisten davon abzuhalten versucht, eine Kohlebahn am Weiterfahren zu hindern. Stattdessen werden ab Samstag am Lahey-Park in Erkelenz-Kückhoven etwa 500 Teilnehmer am Klimacamp teilnehmen, über Klimaschutz sprechen und sich auf zukünftige Protestaktionen vorbereiten. Aktionen selbst, so haben es die Veranstalter angekündigt, sollen diesen August nicht stattfinden.

Klimacamp 2016 und 2017: Ab heute treffen sich bis zu 500 überwiegend junge Menschen im Klimacamp in Erkelenz-Kückhoven und ab 17. August im „Camp for Future“ in Kerpen-Manheim. Inhaltlich trennt beide Veranstaltungen nicht viel, viele, wenn nicht alle Teilnehmer eint der Wunsch nach einem Ausstieg aus fossilen Energieträgern und alternativen Lebens- und Gesellschaftsformen. Die Polizei erwartet, anders als in den Vorjahren, keine Probleme. Foto: Archiv/Gego

Podiumsdiskussionen hier wie dort

Umweltaktivisten stitzen am17.082017 in Erkelenz (Nordrhein-Westfalen) in dem Klimacamp Rheinland beim Mittagessen. Bis zum 26. August 2017 wollen Aktivisten mit Aktionen den Stopp des Braunkohleabbaus beschleunigen. Foto: Oliver Berg/dpa

Das Klimacamp fand erstmals 2010 im Rheinischen Revier statt, doch so richtig in den Fokus rückte die Veranstaltung erst 2015, als aus dem Klimacamp heraus 1500 überwiegend junge Menschen versuchten, an Polizeiketten vorbei in den Tagebau Garzweiler zu stürmen. 805 Menschen gelangten tatsächlich in den Tagebau und legten dessen Betrieb stundenlang lahm.

ARCHIV - Über einem großen Zelt hängt am 20.08.2017 in Erkelenz (Nordrhein-Westfalen) im Klimacamp Rheinland das Logo des Camps. (zu dpa "Straftaten am Klimacamp" vom 24.10.2017) Foto: Caroline Seidel/dpa

Diese Protestaktion fand allerdings unter der Bezeichnung „Ende Gelände“ statt, doch die „Ende Gelände“-Teilnehmer und die des Klimacamps waren weitgehend identisch. Auch für die Aktivisten selbst sind die verschiedenen Bündnisse und Gruppen, die am Klimacamp teilnehmen, nicht immer leicht auseinanderzuhalten.

Bis zum 22. August geht es zwar auch um Themen, die mit der Ausbeutung der Natur zur Gewinnung fossiler Energien und die verheerenden Auswirkung auf Mensch und Klima zu tun haben. Liest man aber das Programm des Klimacamps, ist nicht zu übersehen, dass es auch darum geht, Protest gegen diese Art der Energiegewinnung zu organisieren und neue Aktivisten für nicht vom Grundgesetz gedeckte Protestformen zu gewinnen.

Sonntag, am 12. August um 18.30 Uhr, laden die Klimacamp-Organisatoren Anwohner und Interessierte zum Abendessen in den Lahey-Park ein, der an der L 19 zwischen Erkelenz-Kückhoven und -Holzweiler liegt. Am Montag, 13. August, ist um 20 Uhr eine Podiumsdiskussion mit Klimaaktivisten, Anwohnern aus Erkelenz-Keyenberg und dem Alsdorfer Bergbau-Gewerkschafter Manfred Maresch geplant. Am 14. August wird um 20 Uhr ein Dokumentarfilm über das Rheinische Revier gezeigt (20 Uhr), am 15. August gibt der Liedermacher Gerd Schinkel um 20 Uhr ein Konzert. Zu diesen und vielen anderen Veranstaltungen ist auch die Bevölkerung eingeladen.

Fast parallel zum Klimacamp findet vom 17. bis 26. August das „Camp for Future“ an der Friedensstraße in Kerpen-Manheim in der Nähe des Tagebaus Hambach und des Hambacher Forsts statt. Inhaltlich trennen „Camp for Future“ und Klimacamp nicht viel, allerdings sind die etwa 150 Teilnehmer in Kerpen-Manheim, mit denen die Veranstalter rechnen, im Schnitt noch etwas jünger als die Teilnehmer des Klimacamps. Es geht neben den Klimaschutz-Themen auch um Feminismus, Antirassismus und soziale Gerechtigkeit mit eingebundenen Partys und Konzerten.

Am Sonntag, 19. August, gibt‘s auch im „Camp for Future“ ein Podiumsdiskussion. Thema: Energiewende — Ausstieg aus den fossilen Energien, speziell der Braunkohle. Es diskutieren Dirk Jansen vom Bund für Natur und Umweltschutz, der Bergbau-Gewerkschafter Manfred Maresch, Isabell Braunger, Nachwuchsforscherin der TU Berlin und Alexander Steffen, stellvertretender Landesvorsitzender der jungen Liberalen in NRW.

Die Polizei geht von ruhigen und friedlichen Veranstaltungen aus. Bislang seien keinerlei Demonstrationen angemeldet worden, hieß es am Freitag.

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