Aachen: Kleiner Satellit gegen Weltraumschrott

Aachen : Kleiner Satellit gegen Weltraumschrott

Aus der Kaiserstadt nach Indien und von dort direkt ins All. Es ist keine alltägliche Reise, die „Compass-2“ in einigen Wochen antreten wird. Der kleine Satellit ist das Ergebnis von mehr als neun Jahren Forschung und Entwicklung an der Fachhochschule (FH) Aachen und wird die Lösung eines der größten Probleme in der Erdumlaufbahn angehen: den Weltraumschrott.

Am Mittwoch wurde er in den Räumen der FH der Öffentlichkeit vorgestellt, von dort aus wird er künftig auch gesteuert werden.

In gewisser Weise ist das Vorgängermodell „Compass-1“, das 2008 in den niedrigen Orbit geschossen wurde, einer der Gründe für den neuen Satelliten. Nach dem Ende seines Betriebs kreiste er nämlich mit über 25.000 Stundenkilometern weiter um die Erde. Damit stellt er eine potenzielle Gefahr etwa für die Internationale Raumstation ISS dar, die in ähnlichen Höhen unterwegs ist. „In diesem Bereich des Orbits gibt es noch immer einen kleinen Luftwiderstand. Wenn unser Satellit dann ausgedient hat, kann er ein Segel aufspannen, das seinen Flug bremst und er wird in der Erdatmosphäre verglühen“, erklärte FH-Rektor Marcus Baumann.

Dieses gerade einmal 1,6 Quadratmeter große Bremssegel ist einer der beiden Funktionen von „Compass-2“, die im Weltraum getestet werden sollen. Sollte es sich bewähren, wäre es denkbar, künftig auch andere Satelliten mit dem kompakten Bauteil auszustatten und so noch mehr Weltraumschrott gar nicht erst entstehen zu lassen. In einer zweiten Funktion sollen Dünnschicht-Solarzellen ausgerollt und unter Weltraumbedingungen erprobt werden. Beides ist zusammen mit der Steuerungseinheit untergebracht in vier zusammenhängenden Würfeln von jeweils zehn mal zehn Zentimetern Größe.

Damit der kleine Satellit überhaupt auf die Reise ins All mitgenommen werden kann, muss er nicht nur sehr kompakt gebaut sein, sondern auch extremen Belastungen standhalten. „Im Prinzip stellt unser Satellit ein zusätzliches Risiko beim Transport ins All dar, darum musste er in vorherigen Tests eine ganze Reihe an Kriterien erfüllen“, sagte Engelbert Plescher, der Projekt-Manager von „Compass-2“. Bei Erschütterungen von mehr als dem 50-fachen der Fallbeschleunigung auf der Erde habe er manchmal lieber nicht hinsehen wollen. Dazu kämen äußere Einflüsse wie extreme Sonneneinstrahlung, das Vakuum im All und die starken Temperaturschwankungen durch den Erdschatten.

Der Satellit hat aber all diese Tests unbeschadet überstanden, womit dem Start nichts mehr im Wege steht. Als Mitfahrgelegenheit wird „Compass-2“ das Weltraumforschungsprogramm QB50 der Europäischen Union nutzen, in dessen Rahmen 40 Messsatelliten in den niederigen Orbit gebracht werden. Insgesamt zehn weitere kleine Satelliten dürfen bei diesem Programm mitfliegen — und einer davon wird der Satellit der FH Aachen sein. Wenn alles nach Plan läuft, wird „Compass-2“ schließlich am 21. April dieses Jahres in einer PSLV-Trägerrakete vom indischen Weltraumbahnhof Satish Dhawan abheben. Von diesem Moment an beginnt in der Bodenstation der FH das bange Warten auf die ersten Funksignale.