Landgraaf/NL: Kleinbus überfährt Pinkpop-Besucher: Das Drama nach dem großen Fest

Landgraaf/NL : Kleinbus überfährt Pinkpop-Besucher: Das Drama nach dem großen Fest

Ein paar Stunden danach erinnern nur noch ein paar Kreidestriche auf der Straße an das Drama, das sich gegen 4 Uhr am frühen Montagmorgen hier ereignet hat. Die Polizei ist weg, ein Absperrband liegt noch am Seitenstreifen, am Zaun des Campingplatzes lehnen ein paar junge und ein paar nicht mehr ganz so junge Menschen, denen die drei Tage Pinkpop ins Gesicht geschrieben stehen.

Sie warten auf den Bus oder darauf, von Freunden mitsamt ihrem Gepäck eingesammelt zu werden. Längst nicht alle haben mitbekommen, was ein paar Stunden vorher im Mensheggerweg zwischen Camping- und Festivalgelände passiert ist.

Der Andrang bei der Pressekonferenz am Montag war groß. Foto: Toissant.

Zur selben Zeit warten im Rathaus von Landgraaf fast vier Dutzend Journalisten, die Polizei hat angekündigt, den Stand der Ermittlungen mitzuteilen, der sich so zusammenfassen lässt: Ein 35-jähriger Mann aus Heerlen ist in der Nacht zum Montag bei dem tödlichen Unfall in der Nähe des Festivalgeländes in Landgraaf ums Leben gekommen. Drei weitere junge Menschen sind sehr schwer verletzt worden, sie schweben am Montagabend noch in Lebensgefahr.

Besucher des Pinkpop Campingplatzes B können den Ausgang am Mensheggerweg derzeit nicht benutzen. Foto: Jungmann.

Der Fahrer, ein 34-jähriger Mann aus Heerlen, war zunächst geflüchtet und stellt sich auf dem Weg nach Amsterdam den Behörden. Sein Motiv ist noch unbekannt, weder ein Anschlag noch eine Tat unter Drogeneinfluss wird von den Ermittlern am Montag ausgeschlossen. Sie wissen es einfach noch nicht, der Verdächtige aus Heerlen soll zu weiteren Vernehmungen zur Polizei Limburg überstellt werden.

Bei einem Unfall mit einem Bus am Pinkpop-Festival sind am frühen Montagmorgen vier Menschen von einem Kleinbus angefahren worden. Eine Person überlebte den Unfall nicht. Foto: Jungmann.

Der Verdächtige stellte sich in Amsterdam selbst

Die Polizei sperrte die Straße vorübergehend. Foto: Jungmann

Dem „Dagblad De Limburger“ sagt der Vater des Verdächtigen, dass sein Sohn weder Drogen konsumiere noch Alkohol trinke. Der 34-Jährige war mit einem weißen Lieferwagen, offenbar einem Opel Combo, gegen 4 Uhr in der Nacht in der Nähe von Camping B bei Snowworld in eine Fußgängergruppe gefahren und anschließend geflüchtet. Er ließ einen 30 Jahre alten Mann aus Landgraaf, einen 26-Jährigen und eine 23-Jährige aus Heerlen schwer verletzt liegen, den Toten ebenso. Stundenlang fahnden niederländische, deutsche und belgische Polizisten nach dem Unfallfahrer, der schließlich selbst bei der Polizei anruft und sich in Amsterdam in Begleitung eines Rechtsanwalts der Polizei stellt. Auch der weiße Lieferwagen wird sichergestellt und soll nun untersucht werden.

Bei einem Unfall mit einem Bus am Pinkpop-Festival sind am frühen Montagmorgen vier Menschen von einem Kleinbus angefahren worden. Eine Person überlebte den Unfall nicht. Foto: Jungmann.

„Es ist noch zu früh, um Antworten zu geben, ich will nicht spekulieren. Die Untersuchungen sind noch im Gange“, sagt Staatsanwältin Daniela Weymar auf bohrende Fragen der Medienvertreter. Ein Anschlag könne ebenso wenig ausgeschlossen werden wie die Einnahme von Drogen oder Alkohol. Auch in diesen Richtungen werde ermittelt. Nicht bestätigen kann Weymar Informationen, dass der Mann gezielt auf einen Verkehrskadetten zugefahren sei.

Nach dem Ende der Pinkpop-Festivals kommt es in der Umgebung der ehemaligen Trabrennbahn immer wieder zu chaotischen Verhältnissen bei der Abreise von Zehntausenden Musikfans. Die Ermittlungen gegen den Verdächtigen werden wegen versuchten und vollendeten Totschlags geführt. Wenn Landgraafs Bürgermeister Raymond Vlecken sich zum Pinkpop äußert, ist das meist ein freudiger Anlass, denn das Pinkpop ist das älteste Rockfestival Europas und ein wichtiger Imageträger für Fleckens Gemeinde und die ganze Region. Auch am vergangenen Wochenende waren an drei Tagen jeweils 67.000 Menschen auf dem Gelände.

Doch am Montag ist Vlecken ernst und sieht besorgt aus, er sagt: „Was als schönes Fest begonnen hatte, endete als Drama.“ Vlecken drückt den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus, er ist, das kann man sagen, tief getroffen.

Auch Festivalchef Jan Smeets, der sich vor kurzem seiner dritten Herzoperation unterziehen musste und erst kurz vor dem Pinkpop aus dem Krankenhaus entlassen worden war, sieht nach dem Ende des dreitätigen Festivals, der 49. Auflage seit 1970, angegriffen aus. Bei der Pressekonferenz im Rathaus von Landgraaf sagt er, dass er seit dem Unfall acht Stunden vorher noch kein Auge zugetan hat, er sagt, er sei unvorstellbar tief getroffen. „Es war eine der besten Ausgaben aller Zeiten. Wir hatten nicht damit gerechnet, dass es so enden würde. Es ist sehr, sehr schrecklich.“

Nach Berichten niederländischer Medien handelt es sich bei dem Getöteten um einen freiwilligen Helfer von Pinkpop. Er sei, heißt es weiter, ein leidenschaftlichen Musikliebhaber gewesen.

Die Polizei Limburg hat eine Hotline eingerichtet. Angehörige oder Festivalbesucher, die das Unglück miterlebt haben, können sich unter 0031/251/260960 melden.

Mehr von Aachener Zeitung