Aachen: Klausuren-Affäre für RWTH nicht vorbei

Aachen: Klausuren-Affäre für RWTH nicht vorbei

Armin Laschets Klausuren-Affäre ist für die RWTH Aachen offenbar noch nicht ausgestanden. Nach Informationen unserer Zeitung erwägen gleich mehrere Studenten des Masterstudiengangs Europastudien (MES), juristisch gegen die Annullierung ihrer Klausuren vorzugehen.

Erst vergangene Woche hatte der Prüfungsausschuss der Philosophischen Fakultät der RWTH die Annullierung der am 22. Juli 2014 geschriebenen Klausur angeordnet.

Für die Studenten war das keine gute Nachricht, insbesondere nicht für diejenigen, die bereits dabei sind, ihre Masterarbeiten zu schreiben und kurz vor dem Ende ihres Studiums stehen. Durch die Entscheidung des Prüfungsausschusses müssen sie sich nun auf eine Klausur vorbereiten, die sie bereits vor einem Jahr geschrieben haben, und deren Ergebnisse der Prüfungsausschuss schon zwei Mal bestätigt hatte.

Die Klausur ist deswegen besonders relevant, weil ihr Ergebnis in die Endnote des Masterstudienganges einfließt.

Die Probleme hatten für die RWTH begonnen, als sich im Dezember herausstellte, dass dem damaligen Lehrbeauftragten des MES-Studienganges, Armin Laschet, die Klausuren unter bislang nicht geklärten Umständen verlorengegangen waren. Laschet hatte daraufhin versucht, die Klausurergebnisse mit Hilfe von Notizen zu rekonstruieren.

Dabei kam es zu diversen Ungereimtheiten, die bislang nicht ausgeräumt werden konnten. Einen Beweis, dass ihm tatsächlich Unterlagen zur seriösen Notenrekonstruktion vorlagen, konnte Laschet nicht erbringen, musste er aber offenbar auch nicht. Denn der Prüfungsausschuss bestätigte die von Laschet rekonstruierten Ergebnisse der Klausur zunächst am 10. Februar und noch einmal am 20. März.

Erst als Laschets Klausuren-Affäre Anfang Juni öffentlich wurde, schaltete sich das nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerium als Rechtsaufsicht ein und forderte von der RWTH einen ausführlichen Bericht über die Klausuren-Affäre. Schon in dem am 9. Juni angefertigten Bericht schrieb RWTH-Rektor Ernst Schmachtenberg, das Rektorat empfehle „dem Prüfungsausschuss, die Ergebnisse der Klausur zu annullieren“.

Dieser Empfehlung folgte der Prüfungsausschuss mit Beschluss vom 17. Juni. Die Ergebnisse der Klausur wurden damit ungültig, obwohl sich an der Aktenlage überhaupt nichts geändert hatte, auf deren Grundlage schon die Entscheidung über die ursprüngliche Bestätigung der Klausurergebnisse am 10. Februar und am 20. März getroffen worden war.

Kurz nach dem Sinneswandel des Prüfungsausschusses der Philosophischen Fakultät der RWTH am 17. Juni berief der Studiengangsleiter des MES eine Informationsveranstaltung für die 28 betroffenen Studenten ein. Wegen der kurzfristigen Ansetzung konnten nicht alle betroffenen Studenten, die überwiegend außerhalb Aachens leben, zu der Veranstaltung kommen.

Teilnehmer der Informationsveranstaltung wollen gehört haben, dass der Studiengangsleiter der Presseberichterstattung die Schuld an den nun entstandenen Konsequenzen von Laschets Klausuren-Affäre gegeben hatte. Eine diesbezügliche Anfrage unserer Zeitung ließ der Studiengangsleiter am Montag unbeantwortet.

Die Optionen der Studenten

Die 28 betroffenen Studenten haben nun die Möglichkeit, innerhalb einer Frist von vier Wochen Widerspruch gegen die Entscheidung des Prüfungsausschusses vom 17. Juni einzulegen. Ein RWTH-Sprecher teilte am Mittwoch auf Anfrage unserer Zeitung mit, dazu reiche ein Schreiben an den Vorsitzenden des Ausschusses. Würde der Widerspruch abgelehnt, bliebe den Studenten nichts anderes übrig, als Klage beim Verwaltungsgericht Aachen einzureichen.

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