Aachen: Kinderuni: Warum der Stadtbaum eine feine Erfindung ist

Aachen: Kinderuni: Warum der Stadtbaum eine feine Erfindung ist

Was ein Baum in der Stadt macht? Auf den ersten Blick nimmt er einem Auto eine potenzielle Parkfläche weg. Die Frage hat Professor Frank Lohrberg vom RWTH-Institut für Landschaftsarchitektur am Freitag in seiner Vorlesung in der Kinderuni beantwortet.

Doch die erste Frage, die er den Kindern in der Veranstaltung der RWTH und unserer Zeitung stellt, hat nichts mit Bäumen zu tun. „Welche Automarken kennt ihr?“, fragt er die rund 700 Teilnehmer, die in den Reihen des größten Hörsaals der RWTH, dem Audimax sitzen. Christina (9) aus Aachen, zuckt mit den Schultern. Dafür rufen viele andere Kinder im Saal die Antworten herein: Mercedes, Volvo, Audi, VW, Renault. Es ist eine Frage, die sie motiviert mitzumachen. Worauf Lohrberg hinaus will?

Das zeigt die nächste Frage. Welche Baumarten die Kinder kennen, will er wissen. „Da kenn‘ ich ganz viele“, sagt Christina. Lohrberg geht mit dem Mikrofon durch die Reihen im Saal und sammelt: Linde, Eiche, Birke, Buche, Kastanie, Haselnuss, Ahorn, Erle, Tanne, Pappel. „Die Kinder kennen mehr Baumarten als Automarken“, sagt Lohrberg.

„Warum pflanzt man Bäume in der Stadt?“, fragt er dann. Es ist eine Frage, mit der sich die Kinder ein wenig auskennen. „Die säubern die Luft“, sagt ein Kind. „Die spenden Schatten“, sagt ein anderes Kind. Lohrberg fasst es zusammen. In seinem Vortrag. Und auf seinen Folien: Ein Baum kühlt die Luft. Ein Baum spendet Schatten. Er filtert Staub. Er bietet Tieren Platz und Nahrung. Als Landschaftsarchitekt kennt sich Lohrberg mit Baumarten aus. Schließlich muss er wissen, welche Bäume gut in der Stadt wachsen. „Denn Stadtbäume müssen Stress ertragen“, sagt er. Ahorn und Linde, Robinie und Platane könnten mit Abgasen, Hitze und versiegelten Böden ganz gut leben.

Die letzte Frage kann nicht jedes Kind im Saal beantworten. „Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Stadtbäume aus?“, fragt Lohrberg und antwortet direkt selbst: „Das ist noch mehr Stress.“ Landschaftsarchitekten müssen schauen, welche Pflanzen in den Städten noch wachsen. „Wir müssen erforschen, wie Bäume in Zukunft in der Stadt wachsen“, sagt Lohrberg. Ins Labor müssen die Bäume dafür nicht kommen. Das wäre noch ein Stressfaktor mehr. „Das Labor kommt zum Baum“, sagt Lohrberg. Und dann zeigt er in einem Film das Waldlabor in Köln. Es handelt sich um ein Stück Wald, etwa 20 Hektar, am äußeren Grüngürtel gelegen. Und das hat Lohrberg mitgeplant.

Am Ende der Kinderuni kommt ein Junge aufs Podium und nimmt ein Mikrofon in die Hand: Henri Mommertz aus Aldenhoven kennt sich mit Wäldern und Bäumen besonders gut aus. Er stellt sich als Botschafter der Schülerinitiative „Plant for the planet“ vor, die „auf der ganzen Welt Bäume pflanzen will, um die Klimakrise zu bekämpfen“.

(die)
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