Aachen: Kinderuni: „Ein Mensch mit Segelohren hört anders“

Aachen: Kinderuni: „Ein Mensch mit Segelohren hört anders“

Hört man mit großen Ohren besser als mit kleinen Ohren? Wie kommt die Musik aus dem Lautsprecher? Und macht laute Musik schwerhörig? Das sind Fragen, die Janina Fels (39) beantworten kann. In der Kinderuni und im Interview vorab spricht die Professorin vom Lehr- und Forschungsgebiet für Medizinische Akustik an der RWTH Aachen über Schallwellen, Lautsprecher und Lärm.

Kann ein Mensch mit Segelohren besser hören als ein Mensch mit anliegenden Ohren, Frau Professor Fels?

Kennt sich aus mit Schwingungen, Schall und Stimmen: Professorin Janina Fels und ein „Proband“. Foto: Harald Krömer

Fels: Ein Mensch mit Segelohren hört nicht unbedingt besser, aber auf jeden Fall anders. Wenn Sie die Hände hinter die Ohren halten und mit größeren Ohren hören, ändert sich der Klang. So kann man leichter eine Quelle orten, besser hört man aber nicht.

Gehörschutz gegen Lärm? Schall kann nicht nur schön, sondern auch schädlich sein. Foto: dpa

Dann kommt es also nicht auf die Form oder Größe der Ohren an.

Fels: Wie gut man hört, hat hauptsächlich mit dem Innenohr zu tun. Ohrform und -größe spielen nur eine Rolle, wenn es um das Richtungshören geht.

Und wenn die Ohren weit auseinander liegen, ist das ein Vorteil?

Fels: Wir Menschen gewöhnen uns schon als Kinder an unsere Ohren. Versucht man, eine Quelle zu orten, kann man theoretisch die Richtung besser orten, wenn man Ohren hat, die weit auseinanderliegen. Einen Zusammenhang zwischen der Kopfbreite und der Fähigkeit, gut Richtungen zu hören, gibt es so aber direkt nicht, dafür spielen zu viele andere Effekte eine Rolle.

Schall kann man sich vorstellen als Wellen, die sich ausbreiten. Warum sehe ich in der Luft keine Wellen?

Fels: In der Luft kann man die Schallwellen nicht sehen, weil sich hier nur einzelne Luftmoleküle bewegen, die man nicht sieht. Der Luftschall ist unsichtbar. Das liegt am Medium. In der Kinderuni machen wir sichtbar, wie eine Schallwelle erzeugt wird. Wir haben uns einen Lautsprecher genau angeschaut, und gesehen, dass seine Membran schwingt und somit die Wellen erzeugt.

Bei einem lauten Konzert kann man mitunter den Schall im Bauch spüren. Was passiert da?

Fels: Schall sind Bewegungen in der Luft. Bei einem lauten Ton werden diese Bewegungen in der Luft mehr angeregt als bei einem leisen Ton, und dann kann man die Luftdruckschwankungen körperlich spüren. Insbesondere auch bei lauten tiefen Tönen, wie zum Beispiel bei Rockkonzerten. Da wird die Schwingung in den Körper gebracht. Man spürt also die Luftteilchen, die angeregt werden durch den Schall.

Wird man schwerhörig, wenn man zu laut Musik hört?

Fels: Auf Dauer schon. Und es kommt auf den Pegel an. Bei mehr als acht Stunden täglich bei 80 bis 85 Dezibel sind dauerhafte Schäden zu erwarten. Bei Konzerten ist es natürlich viel lauter, aber die Einwirkzeit ist kürzer. Wichtig ist zu wissen, dass lärmbedingte Hörschäden nicht heilbar sind. Deshalb ist ein Gehörschutz wichtig.

Wie kommt denn die Musik in die Lautsprecher?

Fels: Ein Lautsprecher besteht aus einem Permanentmagnet, um den eine Spule gelegt ist. Vom CD-Player oder Computer aus schickt man Strom in diese Spule. Der Strom bewegt sich ähnlich wie der Schall in Wellenbewegungen mit Bergen und Tälern. Läuft der Strom durch die Spule, wird ein Magnetfeld erzeugt; und die Spule wird über dem Permanentmagneten hin und hergeschoben. Und diese Bewegung der Spule wird auf die Lautsprechermembran übertragen. Dann stößt die Membran die Luftteilchen an, die Luft transportiert die Schallwellen weiter zum Ohr und das Trommelfell registriert die Musik.

Was macht für Sie Schall so besonders?

Fels: Ohne Hören wäre das Leben ziemlich trostlos. Man transportiert über Schall ganz viel Information, Sprache und auch Stimmung, die man gar nicht äußert. Eine Atmosphäre zeichnet sich sehr durch die Akustik aus. Es wäre schade, wenn der Schall fehlen würde.

Schall kann auch lästig sein. Sie forschen in lauten Großraumbüros, vollen Restaurants und lärmenden Klassenräumen. Was wollen Sie herausfinden?

Fels: Wir wollen herausfinden, wie sich unterschiedliche akustische Szenarien auf die Wahrnehmung und Weiterverarbeitung, zum Beispiel auf die Aufmerksamkeit, bei Menschen auswirken.

… um in diesen Räumen die Akustik zu verbessern?

Fels: Wie man die Akustik verbessert, ist ziemlich klar. Man bringt Absorptionsmaterial an den Wänden an und verringert die Anzahl der Störquellen. Uns interessieren aber die Effekte und Konstellationen, die besonders Menschen mit Hörschwierigkeiten Probleme bereiten. Und wir wollen den Punkt in einem akustischen Szenario ausmachen, ab dem sich, zum Beispiel, die Leistung der Kinder in einer Klasse verschlechtert.

Wie entsteht Hall in einer großen Kirche?

Fels: In Kirchen gibt es häufig Wände mit wenig schalldämpfendem Material. Hier reflektiert die Schallwelle an den Wänden hin und her, und man hat lange Nachhall. Sehr vereinfacht kann man sich das vorstellen wie mit einem Tennisball: Zwischen zwei Betonwänden titscht er ganz oft hin und her. An Plüschwänden würde er nicht so gut hin und her prallen.