Brüssel: Kindermörder Dutroux: Belgiens „meistgehasster Häftling“

Brüssel : Kindermörder Dutroux: Belgiens „meistgehasster Häftling“

Brüssels ohnehin gespenstischer Justizpalast erschien an diesem Montag noch ein bisschen martialischer. Hochbewaffnete Spezialeinheiten sicherten das graue Gebäude, ringsum war Stacheldraht gespannt, ein Helikopter kreiste über dem Gericht. Um 14 Uhr wurde Belgiens „meistgehasster Häftling“ durch Hintertüren in Verhandlungssaal 014 gebracht.

Sein Name: : Marc Dutroux, 55, verurteilt wegen sechsfacher Kindesentführung, zigfacher Vergewaltigung und vierfachem Mord. Nach Angaben der belgischen Nachrichtenagentur Belga haben die Anwälte vereinbart, nichts über die Anhörung zu berichten. Der Termin fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das Gericht hat zwei Wochen Zeit, zu dem Antrag Stellung zu nehmen.

Für Belgiens Kriminellen Nummer eins waren im Vorfeld die Sicherheitsvorkehrungen verschärft worden. Metalldetektoren und 120 Beamte waren im Justizpalast im Einsatz. Mit einer Eskorte hatte die Polizei den 56-Jährigen in einem abgedunkelten Wagen am Morgen aus dem Gefängnis von Nivelles rund 25 Kilometer nach Brüssel gebracht.

Schon im September hatte Dutroux schriftlich seine vorzeitige Freilassung mit elektronischer Fußfessel beantragt, nun beriet erstmals ein Gericht darüber. Nach Gerichtsangaben sollte es am Montag keine Entscheidung über den Antrag geben. Der Richter hat zwei Wochen Zeit, sich zu äußern. Erst in einem zweiten Schritt könnten Richter dann über eine mögliche Entlassung befinden.

Die „Affäre Dutroux” hatte in den 1990er Jahren ganz Belgien erschüttert. Dutroux entführte sechs Mädchen, missbrauchte sie und folterte sie in einem geheimen Verlies seines Kellers. Dort starben vier von ihnen. 2004 wurde der meistgehasste Verbrecher Belgiens verurteilt. Seine damalige Frau und Komplizin Michelle Martin kam im vergangenen Sommer unter Auflagen frei.

Nach Ansicht von Experten sind die Chancen des verurteilten Mörders, in absehbarer Zukunft wieder auf freien Fuß zu kommen, gleich Null. Selbst Dutrouxs Anwalt geht nicht davon aus, dass sein Mandant mit seinem Antrag durchkommt. „Es ist ein symbolischer Schritt”, sagte Anwalt Pierre Deutsch dem belgischen Radiosender RTBF. Belgiens Justizministerin Annemie Turtelboom wollte sich im Fernsehsender RTL nicht zu den Chancen äußern: „Das ist Sache der Unabhängigkeit der Justiz.”

Nach Angaben der Polizeigewerkschaft belaufen sich die Kosten für den Einsatz auf rund 50.000 Euro. Am Montag waren bei der Anhörung zwar Angehörige der Opfer zugelassen, viele hatten aber einen Boykott angekündigt. Die Opferfamilien werden üblicherweise zu den Auflagen bei einer vorzeitigen Haftentlassung angehört.

Nach belgischem Recht ist es möglich, dass verurteilte Mörder einen Antrag auf Freilassung stellen, wenn sie ein Drittel der Strafe abgesessen haben. Im Fall Dutroux entspricht das 16 Jahren, diese wären genau am 30. April 2013 abgelaufen.