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Belarussische Oppositionelle: Keupen in Sorge um Karlspreis-Trägerin Maria Kalesnikava

Belarussische Oppositionelle : Keupen in Sorge um Karlspreis-Trägerin Maria Kalesnikava

Die inhaftierte belarussische Oppositionelle Maria Kalesnikava , eine der drei Trägerinnen des Karlspreises 2022, ist im Gefängnis auf die Intensivstation verlegt worden. Aachens Oberbürgermeisterin äußert sich besorgt.

Karlspreisträgerin Maria Kalesnikava aus Belarus ist im Gefängnis auf die Intensivstation verlegt worden. „Mascha ist auf der Intensiv, Ursache unbekannt“, twitterte der ebenfalls inhaftierte Politiker Viktor Babariko am Dienstag. Sie sei am Vortag operiert worden, schrieb er, ohne Details zu nennen. „Sie ist gegenwärtig in einem stabilen, ernsten Zustand, bei Besserung.“ Offizielle Erklärungen zu dem Ereignis gibt es nicht.

Aachens Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen sagte: „Die Nachricht, dass unsere Karlspreisträgerin Maria Kalesnikova in ein Krankenhaus in der Stadt Gomel eingeliefert wurde und dort auf der Intensivstation liegt, macht uns sehr betroffen. Ich sorge mich um ihren Gesundheitszustand, über den wir bisher keine Details erfahren haben. Wir sind mit unseren Gedanken bei ihr und wünschen ihr sehr viel Kraft und eine baldige Genesung. Nach wie vor fordern wir die Freilassung der politischen Gefangenen in Belarus. Die aktuelle Erkrankung ist ein weiterer wichtiger Grund, Maria Kalesnikova sofort aus der Haft zu entlassen.“

Kalesnikava gilt zusammen mit Maria Tichanowskaja als Galionsfigur der belarussischen Opposition gegen Langzeit-Machthaber Alexander Lukaschenko. Die beiden führten 2020 die landesweiten Proteste gegen die umstrittene Präsidentenwahl an, bei der sich Lukaschenko zum Sieger erklärt hatte. Er ließ Polizei und Justiz hart gegen die Demonstranten vorgehen.

Tichanowskaja ging nach Litauen ins Exil, Kalesnikava wurde dagegen verhaftet und wegen Verschwörung zum Umsturz zu elf Jahren Gefängnis verurteilt. Babariko, der 2020 als aussichtsreicher Kandidat bei den Präsidentschaftswahlen galt, wurde noch vor der Abstimmung mit diversen Anklagen überzogen und schließlich im Vorjahr wegen Bestechung, Steuerhinterziehung und Geldwäsche zu 14 Jahren Haft verurteilt. Die Prozesse gelten als politische Inszenierung.

Maria Kalesnikava ist mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt worden, zuletzt – gemeinsam mit Swjatlana Zichanouskaja und Weranika Zepkala mit dem Aachener Karlspreis 2022. Wegen des Prozesses gegen sie nahm ihre Schwester den Preis in Aachen für sie in Empfang. Im Jahr zuvor erhielt Kalesnikava unter anderem den Vaclav-Havel-Menschenrechtspreis und den Lew-Kopelew-Preis, im Jahr 2020 den Sacharow-Preis für Demokratie und Menschenrechte.

Mehrere Politiker äußerten sich am Mittwoch besorgt um die Inhaftierte, darunter die Präsidentin des EU-Parlaments Roberta Metsola.

Außenministerin Annalena Baerbock forderte auf Twitter: „Das Regime in Belarus muss für ihre Gesundheit garantieren und sie sofort freilassen.“

(dpa)