Aachen: Keine Sicherheitskontrollen an deutschen Thalys-Bahnhöfen

Aachen: Keine Sicherheitskontrollen an deutschen Thalys-Bahnhöfen

Sicherheitskontrollen für Reisende von internationalen Hochgeschwindigkeitszügen wie dem ICE oder dem Thalys sind an deutschen Bahnhöfen derzeit nicht vorgesehen. Das sagte am Freitag ein Sprecher der Deutschen Bahn auf Anfrage unserer Zeitung.

Fragen der Verstärkung von Sicherheitsmaßnahmen auf deutschen Bahnhöfen und in Zügen würden derzeit im politischen Umfeld diskutiert. „Selbstverständlich werden wir alle Empfehlungen und Vorgaben der Sicherheitsbehörden umsetzen“, heißt es weiter.

Anders als in den Bahnhöfen von Brüssel und Lüttich, wo Reisende verstärkt kontrolliert werden, und im Pariser Bahnhof Gare du Nord, wo ab Sonntag die Personen- und Gepäckkontrolle mit Hilfe von Sicherheitsschleusen beginnt, ist der Zu- und Ausstieg für Thalys-Reisende an den deutschen Bahnhöfen Köln, Aachen und Düsseldorf damit wie bisher ohne Kontrollen möglich.

Bereits seit Ende November gelten an den belgischen Bahnhöfen Brüssel-Midi und Lüttich-Guillemins verschärfte Sicherheitsmaßnahmen. Für das Betreten und Verlassen des Bahnsteigs steht Thalys-Reisenden in Brüssel-Midi derzeit nur eine Treppe zur Verfügung. Sie werden dort verstärkt kontrolliert und müssen ihre Ausweise bereithalten.

Nach den Anschlägen in Paris vom 13. November hatte Frankreichs Verkehrsministerin Segolène Royal gefordert, dass auch an Thalys-Bahnhöfen im Ausland Sicherheitsschleusen eingerichtet werden müssten. Wenn es nötig sei, werde Frankreich sich um die Installation kümmern, damit diese den gleichen Standard hätten wie die französischen.

Zum Thema Sicherheit bei internationalen Bahnreisen teilte das Bundesinnenministerium am Freitag auf Anfrage unserer Zeitung mit: „Den Bundessicherheitsbehörden liegen derzeit keine Anhaltspunkte darüber vor, dass der grenzüberschreitende Hochgeschwindigkeitszugverkehr einer höheren Gefährdung unterliegt als andere Eisenbahnverkehre in Deutschland.“

Sicherheitskontrollen an deutschen Bahnhöfen? Auch die Deutsche Bahn lässt sich da nicht festnageln. Nur zwei Sätze waren einem Bahnsprecher zu diesem Thema auf Anfrage zu entlocken: „Die ersten Ansprechpartner zum Thema Bahnsicherheit im Kontext ,Terrorgefahr‘ sind die deutschen Sicherheitsbehörden. Wir stehen in engem Austausch mit diesen Bundesbehörden und stimmen unsere Maßnahmen und Konzepte mit den Sicherheitsbehörden ab.“

Andrej Hunko, Bundestagsabgeordneter der Linken aus Aachen, wird da schon konkreter: Er vermutet, dass Bahnreisende auch in Deutschland mit zunehmenden Kontrollen rechnen müssen. „Dies könnte besonders die Thalys-Bahnhöfe in Aachen und Köln betreffen. Vermutlich müssen wir uns auch in Deutschland an den Anblick von Polizei mit automatischen Waffen gewöhnen“, sagte Hunko am Freitag auf Anfrage unserer Zeitung. Instrumente könnten verstärkte Videoüberwachung an den Bahnhöfen und der ausschließliche Verkauf von personengebundenen Fahrscheinen auch für deutsche Bahnreisende sein. Für Hunko dienen solche Instrumente allerdings einem vermeintlichen Sicherheitsdenken; bürgerliche Freiheiten, Datenschutz und Datensparsamkeit würden geopfert.

Nach dem mutmaßlichen Anschlag auf einen Thalys-Zug im August hatte Hunko zusammen mit zwei weiteren Abgeordneten eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung gerichtet, in der nach den Plänen der EU-Verkehrs- und Innenminister zur Verschärfung der Kontrollen bei Zugreisen gefragt wurde.

Tatsächlich setzt die Deutsche Bahn zusammen mit der Bundespolizei auf einen Ausbau der Videotechnik. So sind inzwischen fast 5000 Kameras auf 700 Bahnhöfen im Einsatz, mehr als 26 000 Kameras überwachen den Innenraum von Regional- und S-Bahn Zügen. Somit seien etwa 90 Prozent der täglichen Fahrgastströme durch Videokameras überwacht, sagte ein Bahnsprecher.

Im Gegensatz zum See- und Luftverkehr gibt es für Straße und Schiene keine einheitlichen europäischen Sicherheitsbestimmungen. Das könnte sich bald ändern, bis Sommer will die EU-Kommission dazu einen Entwurf vorlegen. Unterstützt wird sie dabei von der Polizeiagentur Europol, dieTelefonfleißig Daten sammelt und diese in Zukunft auch an Bahnunternehmen durchreichen könnte.

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