Köln: Kein Zeichen, dass Köln aus der Katastrophe gelernt hat

Köln: Kein Zeichen, dass Köln aus der Katastrophe gelernt hat

Am Kölner Waidmarkt ist es ziemlich ruhig geworden. Nur hin und wieder hört man einen Bauarbeiter laute Anweisungen aus der Baugrube rufen. Sonst ist alles still. Die Schule nebenan ist ja geschlossen worden.

In diese U-Bahn-Baugrube neben der Schule ist am Nachmittag des 3. März 2009 das Historische Stadtarchiv gestürzt.

Es geschah nicht einfach so. Es gab Anzeichen dafür, dass die Statik des Gebäudes sich veränderte, aber niemand hat sie beachtet. Zwei Menschen starben. Doch auch heute, 15 Monate und zwölf Tage später, hat die Kölner Staatsanwaltschaft weder die Einsturzursache ermittelt, noch hat sie auch nur ansatzweise geklärt, wer für die Katastrophe zur Verantwortung gezogen werden kann.

Mittlerweile ist die Betroffenheit einer gewissen Häme gewichen. In der ganzen Republik spotten Zeitungen, Magazine und Fernsehsender über Köln und seine Bauskandale, für die fast schon gewohnheitsmäßig niemand verantwortlich gemacht wird.

Bei Kölner Großbauprojekten, die an der Nahtstelle von Politik und Wirtschaft verlaufen, muss die Staatsanwaltschaft schon fast routinemäßig eingreifen, in aller Regel kommt dabei wenig heraus - wie vorläufig auch im Fall des eingestürzten Stadtarchivs. Und bezahlt werden sämtliche Skandale, Fehlplanungen und Misswirtschaftereien von Steuergeldern.

Sichtbare Zeichen, dass die Stadt endlich aus den Folgen von Filz und Korruption lernt, wären angemessen. Doch es hat nicht den Eindruck, dass viel passiert. Nur Walter Reinarz, früher Kölner CDU-Chef, wurde von seinem Vorstandsposten beim Bauherrn der U-Bahn-Erweiterung, den Kölner Verkehrsbetrieben (KVB), beurlaubt, bezieht sein Jahresgehalt in Höhe von 220.000 Euro bis zum Ablauf seines Vertrages Ende 2013 aber weiter. Auch seine Pensionsbezüge, 130.000 Euro im Jahr, sind ihm im Moment noch sicher.

Die Kölner Staatsanwaltschaft erteilt die Auskunft, bezüglich des Archiveinsturzes würde weiterhin „in sämtliche Richtungen ermittelt”. Noch gebe es keine Ergebnisse, auch „in den nächsten Monaten” seien keine zu erwarten. Und sicher, die Möglichkeit, dass am Ende niemand an dem Einsturz Schuld sein werde, könne nicht ausgeschlossen werden.

Der Grund für die langsamen Ermittlungen ist nach Auskunft von Oberstaatsanwalt Günter Feld im Fehlen noch etlicher Gutachten zu suchen. Auf die Frage, warum die Erstellungen dieser Gutachten so viel Zeit in Anspruch nimmt, sagt Feld: „Das weiß ich nicht. Da müssen Sie die Techniker fragen.”

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