Aachen: Katholische Büchereien: Ehrenamtler starten Petition

Aachen: Katholische Büchereien: Ehrenamtler starten Petition

Die katholischen öffentlichen Büchereien im Bistum fühlen sich vom Land ungerecht behandelt. Die NRW-Fördertöpfe für Sonderprojekte sind ihnen verschlossen, weil sie ein Förderkriterium nicht erfüllen: Sie haben keine hauptamtlichen Bibliothekare mehr mit mindestens einer halben Stelle.

Die letzten fünf Stellen wurden im Rahmen der Konsolidierung der Bistumsfinanzen 2006 gestrichen. Michael Ziemons, ehrenamtlicher Leiter der katholischen öffentlichen Bücherei (KÖB) in Aachen-Brand und im Berufsleben Professor für Pädagogik an der Katholischen Hochschule NRW in Köln, hat deswegen eine Online-Petition gestartet, damit diese Regelung gestoppt und überarbeitet wird.

„Unsere Ehrenamtler leisten eine wichtige Arbeit an Orten, die von kommunalen Bibliotheken oft nicht mehr erreicht werden”, sagt Ziemons. Fast 700.000 Bücher, Hörbücher und DVDs wurden im vorigen Jahr in den 112 KÖBs im Bistum Aachen ausgeliehen. Über 300 000 Besucher zählte die Bistums-Fachstelle für Büchereiarbeit. In Aachen-Brand leitet Ziemons ein Team von 45 Ehrenamtlern, die an allen sieben Tagen der Woche die Bibliothek öffnen - und nebenbei Lesungen organisieren oder selbst vorlesen, Lesefördergruppen oder Projekte mit Altenheimbewohnern und Kindern betreuen und dafür sorgen, dass Grundschulklassen eine Nacht mitten zwischen den Regalen übernachten dürfen. Andere KÖBs sind nicht weniger aktiv: Fast 2000 Veranstaltungen gab es im vorigen Jahr laut Fachstelle insgesamt.

Ziemons geht es mit der Petition nicht um mehr Geld für die Grundförderung seiner KÖB. Er will lediglich erreichen, dass die Landesfördersumme, die da ist, gerecht auf besondere Projekte verteilt wird - „und nicht am Ende eine Formalie entscheidet”.

„Wir haben lange daran gearbeitet, das Image der verstaubten Pfarrbücherei loszuwerden”, sagt Ziemons. Seine Sorge ist, dass dieses Image bald wieder an den KÖBs klebt, wenn innovative Projekte nicht mehr finanziert werden können - wie E-Books zum Beispiel. 12 000 Euro koste es, eine Internet-Plattform dafür aufzubauen und einen Grundbestand zu erwerben. „Dafür muss ich kein Diplombi­bliothekar sein.” Ziemons zuckt mit den Schultern.

Christine Salms, Leiterin der Bistums-Fachstelle für Büchereiarbeit, ist das Förderkriterium der hauptamtlichen Bibliothekskraft schon lange ein Dorn im Auge. Aber bei den Gesprächen mit den Verantwortlichen auf Landesebene zu einem neuen Kulturfördergesetz sei bislang „kein Durchbruch in dieser Frage erzielt worden”. Jetzt aber sei durch die Online-Petition, die von der Basis komme, etwas in Bewegung geraten.

Die Petition wird von allen fünf Bistümern und inzwischen auch rund 2500 anderen Unterzeichnern unterstützt. Sie habe Kreise gezogen, sagt Salms, liege inzwischen in den Landesbüros der Kirchen in Düsseldorf - und damit ganz nah am Landtag. Und aus dem Kulturministerium heißt es auf Anfrage, man sei zuversichtlich, „auch für die ehrenamtlich geleiteten Büchereien einen deutlichen Fortschritt gegenüber der jetzigen Situation” finden zu können. Vielleicht schlägt Ziemons mit seinem Anstoß ein neues Kapitel in dieser Frage auf.

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