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Aachen/Düren/Berlin: Kater schreckt kaum ab: Das Koma-Trinken nimmt zu

Aachen/Düren/Berlin : Kater schreckt kaum ab: Das Koma-Trinken nimmt zu

Trotz aller Ermahnungen betrinken sich immer mehr Mädchen und Jungen besinnungslos. Der Kater am nächsten Tag schreckt die wenigsten Jugendlichen dauerhaft ab.

Die Vorlage der ersten Daten für das Jahr 2008 zeigte, dass der Anstieg der Einlieferungen in die Notaufnahmen wegen Alkoholvergiftung ungebrochen weitergeht. Es wurde der Ruf nach einem bundesweiten Vorgehen laut. Der Anteil der mit Alkoholproblemen behandelten Jugendlichen hat sich zwischen 2002 und 2008 verdoppelt, berichtete die Gmünder Ersatzkasse GEK.

Peter-Friedrich Petersen, Leiter der Notaufnahme im Aachener Klinikum, bestätigte entsprechende Probleme auch in unserer Region: „Schockierend ist, dass bei uns selbst 14-Jährige mit weit mehr als einem Promille Blutalkohol eingeliefert werden.” Gereon Blum, Ärztlicher Leiter der Klinik Düren, sagte: „Ein Aufwärtstrend ist unverkennbar. Waren es im Jahr 2005 noch 14 Jugendliche, die mit Alkoholvergiftung bei uns stationär aufgenommen werden mussten, so waren es im vergangenen Jahr schon 25. Vor allem die Zahl der jungen Patienten, die Alkohol und Drogen gleichzeitig konsumiert haben, steigt.”

Dem neuen GEK-Report Krankenhaus zufolge wurden 2008 gerechnet auf 10.000 Versicherte 37 Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren völlig betrunken in eine Klinik gebracht - nach 18 im Jahr 2002. Bei den Jungen stieg die Rate von 24 auf 52.

Seit 1990 seien fünf Mal mehr Jugendliche im Vollrausch ins Krankenhaus gebracht worden, sagte die Autorin der Studie, Eva Maria Bitzer, vom Hannoveraner Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung. Übelkeit infolge des Koma-Trinkens wirkt kaum abschreckend.

In einer Umfrage gaben rund 17 Prozent der Interviewten an, nach einem Klinikaufenthalt genauso weiterzumachen oder sogar mehr zu trinken. Die Drogenbeauftragte Bätzing forderte, „dass vor Ort gemeinsam an einer Lösung gearbeitet wird; das heißt, wenn Kommunen, Vereine, Schulen und Polizei zusammenarbeiten, dann ist dies der richtige Weg”.