Köln: Kardinal Woelki: Spekulation im Wohnungsbau „menschenverachtend”

Köln : Kardinal Woelki: Spekulation im Wohnungsbau „menschenverachtend”

Der Kölner Kardinal Rainer Woelki hat am Ersten Weihnachtstag bezahlbaren Wohnraum für Alle gefordert. „Mehr und mehr Menschen können sich Wohnen in unserem an sich wohlhabenden Land nicht mehr leisten, weil Wohnungen nicht selten ausschließlich zu Renditeobjekten geworden sind und so preiswerter, bezahlbarer Wohnraum fehlt”, kritisierte Woelki in seiner Predigt im Kölner Dom.

„Das ist zynisch, im letzten sogar menschenverachtend! Wie soll denn ein Gemeinwesen, wie eine Stadt funktionieren, wenn sich Durchschnittsverdiener wie eine Krankenschwester, wie der Mann von der Müllabfuhr, der Busfahrer oder der Polizist „Wohnen” nicht mehr leisten können?” Dies sei „ein ganz dunkles Kapitel” der aktuellen gesellschaftlichen Wirklichkeit.

Der Erzbischof des größten deutschen Bistums verwies auf Zahlen aus dem Jahr 2016, denen zufolge in Deutschland 860.000 Menschen ohne Wohnung leben müssen. Dies entspreche allen Einwohnern von Bonn, Aachen und Münster zusammen. Mehr als 50.000 Menschen hätten gar kein Obdach und lebten auf der Straße.

„Immer wieder hören und lesen wir davon, dass Obdachlose bestohlen, ausgeraubt, geschlagen oder gar angezündet werden”, sagte Woelki. „Obdachlosigkeit ist daher nicht nur aufgrund der Kälte, sondern auch aufgrund von Gewalt durch andere Menschen lebensgefährlich.” Ein Zuhause zu haben, sei aber das Recht eines jeden Menschen: „Wohnen ist ein Menschenrecht!”, betonte der katholische Geistliche.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe hatte im vergangenen Monat mitgeteilt, dass die Zahl der Menschen ohne feste eigene Wohnung in Deutschland zuletzt deutlich angestiegen sei. Im Jahr 2016 gab es demnach geschätzt rund 422.000 Wohnungslose, verglichen mit 367 000 im Vorjahr. Dazu kamen nach Angaben des Verbands rund 436.000 anerkannte Flüchtlinge, die ohne eigene Bleibe in Gemeinschaftsunterkünften lebten. Zusammengerechnet ergäben sich so für das Jahr 2016 rund 860.000 Menschen ohne Wohnung.

Woelki ist bekannt für seine deutlichen Worte. Im September etwa hatte er Gleichgültigkeit gegenüber dem Flüchtlingselend im Mittelmeer angeprangert. „Im schönen blauen Badewasser, wo viele von uns gerade noch ihre Urlaubsfreuden hatten”, ertränken ständig Menschen, sagte der Erzbischof. „Jeder einzelne tote Flüchtling ertrinkt auch in unserer Gleichgültigkeit!”

(dpa)