Köln: Kardinal Woelki bekommt eine Badewanne

Köln : Kardinal Woelki bekommt eine Badewanne

Die Badewanne, immer wieder die Badewanne. „Also”, sagt Achim Schmitz, Leiter des Erzbischöflichen Bauamtes. Natürlich wird auch der neue Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki eine Badewanne haben. „Die ist weiß, ein bisschen cremefarben, ne ganz kleine Badewanne. Er selbst ist ja groß, aber er wollte die haben.”

Viele Journalisten sind an diesem Mittwochmittag der Einladung gefolgt, das im Renovierungszustand befindliche Bischofshaus zu besichtigen. Während der Rundführung hängt neben dem Baustellengeruch auch der Name Franz Tebartz-van Elst in der Luft. Die massiv gestiegenen Um- und Ausbaukosten für den Limburger Bischofssitz hatten die katholische Kirche in Deutschland vergangenes Jahr in eine neue Glaubwürdigkeitskrise gestürzt. Stichwort Badewanne. Nach Medienberichten war sie frei stehend und 15.000 Euro teuer.

Nun also auch in Köln eine Renovierung des Bischofssitzes. Gesamtkosten: 1,45 Millionen Euro. Dieses Geld, so wird der erzbischöfliche Finanzdirektor Hermann-Josef Schon nicht müde zu betonen, geht aber vor allem für die längst überfällige Sanierung der Haustechnik drauf. Seit einem Vierteljahrhundert ist da nichts mehr passiert.

Woelki hat in Berlin in einer Wohnung im Stadtteil Wedding gelebt. Jetzt zieht er zwar ins Erzbischöfliche Haus ein, aber, so unterstreicht Bistumssprecher Christoph Heckeley, die 260 Quadratmeter große Wohnung seines Vorgängers Joachim Meisner hat er erst mal um 100 Quadratmeter reduziert.

Zu sehen bekommt man die Wohnung nicht. „Das ist Privatsphäre”, sagt Heckeley. Aber die Wanne sei in jedem Fall Standard. „Es gibt in diesem Haus überhaupt keinen Luxus”, stellt Schon klar. Und Bauleiter Schmitz fügt zur Sicherheit hinzu: „Zuhause hab ich ne teurere Fliese als er sich jetzt eingebaut hat.”

Neugierig lugen die Journalisten um alle Ecken, öffnen Türen, laufen in den Garten. Es wirkt alles ziemlich spröde. Aber dann fällt ein Stichwort, das aufhorchen lässt: Im Keller befindet sich ein Schwimmbad! Stehen die bescheidenen Ausmaße der Badewanne vielleicht in irgendeinem Zusammenhang mit der Existenz des Schwimmbades?

Ach, sagt Herr Heckeley. Das Schwimmbad habe Kardinal Frings in den 50er Jahren für das angegliederte Priesterseminar einbauen lassen. Da der Priesternachwuchs in der Zwischenzeit stark zusammengeschmolzen sei, werde das Schwimmbad jetzt von Schulklassen benutzt. „Außerdem machen dort muslimische Frauen Schwimmkurse.”

Finanzdirektor Schon gibt gerade noch ein Interview: „Das Bad von Kardinal Woelki ist ein Bad mit absoluter Standardeinrichtung. Die Badewanne steht wie üblich eingefliest an der Wand.” Wird man sich davon mal mit eigenen Augen überzeugen können? Da müsse man den Kardinal selbst fragen, heißt es. Am 15. soll angeblich der Umzugwagen kommen. Die Journalisten notieren das. Die Badewanne bleibt ein Thema.

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