Aachen/Brüssel/Luxemburg: Kampf gegen Tihange: Energieminister will Verfahren beschleunigen

Aachen/Brüssel/Luxemburg: Kampf gegen Tihange: Energieminister will Verfahren beschleunigen

Nordrhein-Westfalen will prüfen lassen, ob eine Beschleunigung des Planfeststellungsverfahrens zum Bau grenzüberschreitender Stromleitungen möglich ist. Das teilte die NRW-Staatskanzlei unserer Zeitung mit. Diese Leitungen gelten als zentrales Argument für eine Abschaltung der umstrittenen Atommeiler Tihange 2 und Doel 3.

Bis 2020 ist bereits der Bau der sogenannten Alegro-Leitung mit einem Gigawatt nach Belgien geplant. Zu dem Thema hatte sich Energieminister Andreas Pinkwart (FDP) im Dezember 2017 mit der Geschäftsführung von Übertragungsnetzbetreiber Amprion getroffen. „In diesem Zusammenhang wurden Möglichkeiten zur Beschleunigung des Netzausbaus erörtert.“

Der Aachener Landtagsabgeordnete Karl Schultheis (SPD), der sich ebenfalls für den Bau der Stromtrassen, mit denen ein direkter Stromaustausch zwischen NRW und Belgien möglich würde, einsetzt, betonte gegenüber unserer Zeitung, dass man in Sachen Alegro 1 im Zeitplan sei. Außerdem werde der Bau eines zweiten Netzkonnektors, Alegro 2, in den Netzentwicklungsplan 2030 einfließen. Amprion halte das Projekt jetzt bereits für genehmigungsfähig, nur auf belgischer Seite sei man noch nicht so weit.

Schultheis hatte jüngst gemeinsam unter anderem mit dem Stolberger EU-Parlamentsabgeordneten Arndt Kohn (SPD) die belgischen Sozialisten besucht. Man habe bei der Schwesterpartei für Unterstützung in Sachen Stromtrasse geworben. „Nur der kon­struktive Weg wird uns helfen, Tihange schneller abzuschalten“, sagt Schultheis.

Auch mehrere CDU-Politiker suchten das Gespräch aus Sorge um die Meiler Tihange und Doel. Die Aachener EU-Parlamentsabgeordnete Sabine Verheyen, und die CDU-Bundestagsabgeordneten Rudolf Henke (Aachen) und Wilfried Oellers (Kreis Heinsberg) folgten der Einladung des EU-Kommissars für Klimaschutz und Energie, Miguel Arias Cañete, und besuchten vergangene Woche die Direktion für nukleare Energie und Sicherheit in Luxemburg.

Seitens der Direktion werde ausdrücklich das Bestreben einer möglichen deutschen Regierung begrüßt, sich innerhalb der EU für ambitionierte und verbindliche Sicherheitsziele und umfassende wechselseitige Kontrollen einzusetzen, teilte Henke nach dem Besuch mit.

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