Aachen: Jungen missbraucht: Sicherungsverwahrung für Aachener

Aachen : Jungen missbraucht: Sicherungsverwahrung für Aachener

Bereits im Jahr 2010 war Thomas K. aus Aachen zu einer fünfjährigen Freiheitsstrafe wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt worden. Am Montag verurteilte die 5. Große Strafkammer am Aachener Landgericht den 39-jährigen Gabelstaplerfahrer erneut wegen mehrfachen schweren Missbrauchs eines acht und eines zwölf Jahre alten Jungen zu einer Haftstrafe von viereinhalb Jahren.

Doch dieses Mal beließ es die Kammer mit der Sonderzuständigkeit „Sexualstraftaten“ nicht bei der zeitlich befristeten Strafe. Die Vorsitzende Richterin Regina Böhme begründete die Verhängung der jetzt verfügten Sicherungsverwahrung gegen Thomas K. mit der Uneinsichtigkeit des Angeklagten.

Er hat, auch nach dem Ergebnis des psychiatrisch-forensischen Gutachtens, einen festgefügten Hang zum Sex mit Kindern. Die Gutachterin hatte eine sich verfestigende Pädophilie festgestellt. Erst jetzt im aktuellen Verfahren bekannte sich K. dazu, unbedingt eine Therapie machen zu wollen.

Thomas K. war 2015 wieder auf freien Fuß gekommen und befand sich unter Führungsaufsicht der Behörden. Im Prozess hatte sich gezeigt, dass große Lücken in dem staatlichen Programm für rückfallgefährdete Sexualstraftäter klafften. So wurde Thomas K. trotz der strikten Auflage, sich niemals Kindern zu nähern, bereits 2017 wieder rückfällig.

Mit „krimineller Energie“, so die Kammer, habe er sich in eine Aachener Familie eingeschlichen und betreute hier zwischen April 2017 und Januar 2018 in unregelmäßigen Abständen abends den achtjährigen Sohn. Die Mutter lebte seit einiger Zeit allein, so dass ihr jede Hilfe recht war. Thomas K. sei umgänglich und nett gewesen.

Seine Straffälligkeit, das hatte die 29-jähige Mutter im Prozess beschrieben, habe „der Thomas“ zwar nicht verschwiegen, aber die Gründe völlig anders dargestellt. So stellte er sich als Opfer einer Beziehungstat da, er habe wegen eines Körperverletzungsdelikts eingesessen.

Seine Art zu Lügen war überzeugend. Auch in der JVA hatte er Märchen erfunden: Dort behauptete er, er sei wegen Raubes verurteilt. Als Grund für die Lügen nannte K. die Angst vor gewalttätigen Übergriffen gegenüber Sexualstraftätern im Gefängnis.

Das Gericht kreidete dem Angeklagten neben der Übergriffe auf das achtjährige Kind im April 2017 und Dezember 2017 und seinen zwölfjährigen Freund im September 2017 besonders an, dass er sich - wie ein Nebenkläger es formulierte - „aalglatt“ mit Lügen den Zugang zu der Familie verschafft hatte. So hätten nicht allein die Kinder wegen der Übergriffe Schaden genommmen, auch die beteiligten Erwachsenen seien psychisch zutiefst verletzt worden.

Thomas K. machte sogar Nacktaufnahmen von dem schlafenden Jungen und verschickte sie per WhatsApp an einen vermeintlichen Gleichgesinnten. Zugute hielt das Gericht dem Angeklagten allerdings sein umfassendes Geständnis, mit dem er einen Auftritt der Kinder vor Gericht unnötig gemacht hatte.