Aachen: Jugendkarlspreis: Europäische Vielfalt schafft neue Chancen

Aachen: Jugendkarlspreis: Europäische Vielfalt schafft neue Chancen

Schweigen. Der prunkvolle Krönungssaal des Ratshauses ist erfüllt von Stille. Ein ungewöhnlicher Auftakt für die sonst so lebendige Verleihung des Jugendkarlspreises, der in diesem Jahr zum zehnten Mal in Aachen verliehen worden ist. Doch das Schweigen ist wirkungsvoll. Es ist den Opfern des Anschlags in Manchester gewidmet, der am späten Montagabend auf einem Konzert verübt wurde.

Michael Jansen findet klare Worte: „Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen“, sagte der Vorsitzende der Karlspreisstiftung. „Wir müssen an unserer Freiheit und der Demokratie festhalten.“

Werte, für die auch der Jugendkarlspreis steht und für die junge Menschen mit ihren Projekten eintreten. Aus mehr als 250 Bewerbungen wurde in jedem der 28 EU-Mitgliedsstaaten ein Gewinner ermittelt, der beim Jugendkarlspreis antritt — für sein Land und für Europa. Wie wichtig diese Beteiligung ist, macht Sylvie Guillaume an diesem Vormittag deutlich: „Die Jugend ist die Zukunft Europas“, sagt die Vizepräsident des Europäischen Parlaments und forderte sie dazu auf, zu rebellieren, wenn Politiker ihrer Meinung nach falsche Entscheidungen treffen. „Die junge Generation hat große Verantwortung.“

Guillaume verweist auf Konflikte wie die Flüchtlingskrise oder auch den EU-Ausstieg Großbritanniens. Denn rechts- und linkspopulistische Strömungen gefährdeten Europa und das, was die EU bisher erreicht hat: Mobilität, Rechte, niedrige Roaming-Gebühren und Reisefreiheit — all das, was so selbstverständlich zu sein scheint.

„Wir sind in einem Europa ohne Grenzen geboren, und das sollten wir schätzen“, sagte Ties Gijzel, der drittplatzierte Preisträger. Der Niederländer will den jungen Europäern eine Stimme geben. In seinem Projekt „Are we Europe“ haben junge Menschen die Möglichkeit, ihre Geschichten in einem Online-Magazin zu veröffentlichen.

Auch die anderen 28 Projekte verfolgen auf ganz unetrschiedliche Weise das Ziel, junge Menschen zu mobilisieren. Es gibt etwa ein Konzept zur Ausbildung von Streetworkern, eine Online-Plattform zur Orientierung im Auslandssemester, Straßenaktionen oder Flüchtlingsarbeit mit Hilfspaketen.

Die Karlspreissiegerin Gabriela Jelonek aus Polen sieht in der Vielfalt Europas eine enorme Chance. Sie möchte junge Menschen zu einem Kulturaustausch bewegen: „Wir müssen raus gehen, andere Länder kennenlernen und vergleichen. Und dann aus den verschiedenen Eindrücken etwas Neues schaffen.“

Was alles möglich ist, zeigt der Jugendkarlspreis. Seit vielen Jahren setzt er Impulse. Er bringt nicht nur nachhaltige Projekte hervor, sondern schafft auch einen europäischen Austausch, eine Identität. „Heimat, Vaterland, Europa — das alles gehört zusammen“, betonte Hans-Gert Pöttering (CDU). Der ehemalige Vorsitzende des Europäischen Parlaments hat gemeinsam mit dem 2015 verstorbenen André Leysen, an den an diesem Vormittag oft erinnert wird, den Jugendkarlspreis ins Leben gerufen.

Dass dieser an so viel Bedeutung gewinnen würde, hatten die beiden Männer anfangs nicht erwartet. Heute treffen sich Zuschauer vieler Nationen und Generationen in dem berühmten Krönungssaal, um an der Idee festhalten, die europäische Jugend zu stärken.

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