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Aachen: Johannes Paul II.: Prinzipienfest, undiplomatisch

Aachen : Johannes Paul II.: Prinzipienfest, undiplomatisch

In wahrscheinlich keinem anderen Land wirkt der Papst so polarisierend wie in der Bundesrepublik. Das liegt nur zum Teil an der konfessionellen Trennung des Landes, mehr jedoch am restaurativen innerkirchlichen Kurs des Vatikans.

Die tiefe Kluft zwischen zahlreichen Positionen des Kirchenoberhauptes und den Überzeugungen der meisten Deutschen - auch der meisten Katholiken - wird der Karlspreis nicht überbrücken können. Diesen Anspruch würde in Aachen auch niemand erheben.

Dieser Papst lässt jedenfalls wesentlich weniger Menschen gleichgültig als seine Kirche. Er hat unter katholischen und protestantischen Gläubigen durch seine dogmatische Härte, durch restriktive Lehräußerungen und autoritäre Vorgaben selbst in Fragen der Pastoral Zorn und Verbitterung ausgelöst.

Angesichts dessen sind hierzulande viele Menschen nicht mehr fähig oder auch nur bereit, die andere Seite des Kirchenoberhauptes zu sehen. Denn Empörung hat Johannes Paul II. vor allem auch bei zahlreichen Diktatoren ausgelöst, gegenüber denen er in aller Öffentlichkeit Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit eingefordert hat.

Und unbequem ist der Papst nicht nur für seine Katholiken, sondern auch für all jene, die den westlichen Lebensstil und den Kapitalismus für überlegen und den Umgang der reichen mit der armen Welt für richtig halten.

Ein alter, hinfälliger Mann, quer zu allem, was gemeinhin als modern, dynamisch und telegen gilt, der Kontrast zu all den glatten Gesichtern, die weitgehend die Weltbühne bestimmen. Ein Unbeirrbarer, prinzipienfest, undiplomatisch, nach außen schwach und doch „Rocher de bronze”, ein Fels in der Brandung.

Er ist immer wieder für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen worden; in Aachen versuchte man seit längerem, ihm den Karlspreis anzutragen. Jetzt hat er zugesagt.