Aachen: Jodtabletten: Kommunen können mit Verteilung beginnen

Aachen: Jodtabletten: Kommunen können mit Verteilung beginnen

Die Kommunen in unserer Region dürfen Jodtabletten an die Bevölkerung verteilen. „Wir haben grünes Licht für die Organisation der Vorverteilung“, sagte Markus Kremer, Beigeordneter der Stadt Aachen und Vorsitzender der regionalen Koordinierungsgruppe von Stadt und Städteregion Aachen, den Kreisen Düren, Heinsberg und Euskirchen am Dienstag nach einem Treffen im NRW-Innenministerium.

„Alles Operative ist freigegeben. Es geht nur um ein paar kleine Formulierungsfehler“, sagte ein Sprecher des NRW-Innenministeriums auf Anfrage unserer Zeitung. Das Konzept der „Interessengemeinschaft Vorverteilung“ müsse nicht erneut beim Ministerium vorgezeigt werden. Allerdings müssen die Kommunen nun die Politik beteiligen. In Aachen rechne man für März mit einem „politischen Go“, wie Kremer erklärte. „Bis spätestens Ende des Jahres sollte dann die Verteilung erfolgt sein.“

Dampf steigt in Huy aus dem Atomkraftwerk Tihange des Stromversorgers Electrabel. Foto: Oliver Berg/dpa

Jodtabletten sollen bei einem atomaren Ernstfall gegen Schilddrüsenkrebs helfen. Im Mai 2016 hatte das Land NRW eine direkte und präventive Abgabe in den Kommunen vor dem Hintergrund der Sorge um die belgischen Rissreaktoren Tihange 2 und Doel 3 grundsätzlich erlaubt. Damals hatte Belgien eine direkte Verteilung in einem Radius von 100 Kilometern statt zuvor 20 Kilometern beschlossen. Aber auch Aachen liegt nur 60, Düren 90 Kilometer Luftlinie von Tihange 2 entfernt. In dessen Reaktor befinden sich Tausende Haarrisse oder Wasserstoffflocken. Erste Konzepte der regionalen Arbeitsgruppe hatten mehrfach nachgebessert werden müssen. Nun ist das Innenministerium mit dem Konzept grundsätzlich zufrieden.

Um die Kosten möglichst gering zu halten, schlägt die Koordinierungsgruppe ein vollautomatisiertes Verfahren vor, sagte Kremer. Da nur Menschen bis 45 Jahre Jodtabletten erhalten, wäre ein digitales Verfahren vertretbar. Einzelne Anschreiben an die Bürger sind in diesem Konzept nicht vorgesehen. Im Idealfall könne sich jeder Bezugsberechtigte nach Prüfung durch die Kommune den Schein zu Hause ausdrucken und erhielte damit in teilnehmenden Apotheken ein Blister mit sechs Jodtabletten, die fünf Jahre lang haltbar sind. Die Apotheker informieren über die Einnahme der Tabletten. Die Politik müsse dieses Konzept aber noch abnicken. Das Land zahlt die Tabletten, die restlichen Kosten übernehmen die Kommunen. Aachen rechnet mit einem Betrag im niedrigen sechsstelligen Bereich.

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