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Aachen: Job in Sicht: Wie lese ich Stellenanzeigen?

Aachen : Job in Sicht: Wie lese ich Stellenanzeigen?

Es waren drei oder vier Waschkörbe voll. 400 Bewerbungen auf eine einzige ausgeschriebene Volontärsstelle in einem größeren Hamburger Unternehmen. 80 Prozent davon, sagt die Personalchefin, würden sofort zurück an den Absender gehen. Für den bedeutet das vergebliche Mühe, Verunsicherung, Frustration, das will man nicht erleben.

Oft liegt es weder an der unüberwindbar großen Konkurrenz noch an der eigenen Unfähigkeit. Sondern daran, dass man die Ausschreibung nicht richtig gelesen hat - und sich um einen Job bewirbt, für den man schlicht ungeeignet ist. Denn in der Regel verwenden gute Arbeitgeber einige Mühe darauf, sich selbst, ihre Erwartungen und das Profil der gesuchten Nachwuchskräfte genau darzustellen. Es braucht etwas Übung, die Anzeigen richtig zu lesen. Am besten, man analysiert die Inserate Schritt für Schritt.

Erste Frage: Wann ist die Anzeige erschienen? Mehr als vierzehn Tage sollten nicht vergangen sein. Es sei denn, es ist eine spätere Eingangsfrist angegeben. Im Zweifel sollte man telefonisch nachfragen.

Zweitens: Was für eine Stelle ist ausgeschrieben? Steht dort Altenpflegerin oder Junior-Werbetexter ist klar, worum es geht. Aber was ist ein Sales Representative oder BDM (w/m)? Zwar klingt es internationaler, doch ist ein Sales Representative nichts anderes als ein Vertreter und der Business Development Manager entwickelt betriebsintern neue Geschäftsideen. Eine gute Anzeige liefert jedoch auch eine kurze Stellenbeschreibung, mit den Aufgaben, die der Job umfasst.

Punkt drei führt uns zum Kern der Anzeige, den Anforderungen, die an den Bewerber gestellt werden. Schulabschlüsse, Berufserfahrungen, Sprachkenntnisse: Diese Anforderungen sollte man ernst nehmen. Ein Berufseinsteiger hat kaum eine Chance, wenn mehrere Jahre Erfahrung vorausgesetzt werden.

Dennoch gibt es verschiedene Abstufungen, die man anhand der Formulierung der Anzeige herausfiltern kann. Steht dort etwa: „Als Voraussetzungen bringen Sie mit...” oder „...dürfen für Sie keine Probleme darstellen”, handelt es sich um Muss-Kriterien. Heißt es im Text, eine Fähigkeit sei „wünschenswert” oder „von Vorteil” ist das genau so zu verstehen. Die Frage ist hier: Was kann ich im Zweifel stattdessen bieten?

Nummer Vier ist am Schwierigsten: Lesen zwischen den Zeilen. Ist der Tonfall der Anzeige bewusst locker, sachlich oder vor allem fordernd? Daraus lässt sich schließen, wie die Firma sich selbst sieht. Hier hilft auch eine genaue Recherche über das ausschreibende Unternehmen. Ist es ein Familienbetrieb oder eine Aktiengesellschaft? Steht ein Konzern dahinter? Welche Produkte und Geschäftsfelder gibt es? Auch das hat Konsequenzen: Liegt beispielsweise der Exportanteil eines Unternehmens bei mehr als 50 Prozent, heißt das, dass Englisch die Alltagssprache sein wird.

Bleibt nur noch die Frage: Kann ich, was verlangt wird, wirklich leisten - und will ich es? Ja? Na dann: nichts wie los!