Jenny Böken: Weiterer Zeuge für Verdacht auf Mord

Tod von Jenny Böken : Noch ein Zeuge soll von Kapitalverbrechen berichten

Im Fall Jenny Böken gibt es offenbar weitere Zeugen, die Dritten berichtet haben, dass es sich beim Tod der Geilenkirchener Seekadettin Jenny Böken auf dem Segelschulschiff Gorch Fock vor mehr als zehn Jahren möglicherweise um ein Kapitalverbrechen gehandelt hat

Unbeteiligten Dritte haben sich nach einem Auftritt des Vaters Uwe Böken in einer Fernsehsendung vor einigen Tagen bei der Familie gemeldet, sagte der Anwalt der Familie gegenüber unserer Zeitung. Ihnen seien die Vorfälle von einem Augenzeugen ebenso geschildert worden, wie sie ein erst kürzlich aufgetauchter Zeuge an Eides statt versichert hat. Der neue Augenzeuge soll jetzt über die Staatsanwaltschaft Kiel gesucht werden.

Vernehmung geplant

Die Staatsanwaltschaft will den Anfang September zuerst aufgetauchten Zeugen nun anhören. Er hatte versichert, kurz nach dem Tod der Kadettin von Sodatenkollegen bei einem Besuch in seiner Kaserne massiv bedroht worden zu sein. Ihm drohe möglicherweise dasselbe, was Jenny Böken bei der nächtlichen Wache auf Deck geschehen sei, wenn er nicht stillschweige. Sie sollen angedeutet haben, dass die junge Frau erdrosselt worden sei. Der Zeuge gibt an, dass Jenny auf einer Party in Düsseldorf vergewaltigt worden sei. Von dieser Vergewaltigung sei ein Handyvideo gemacht worden. Möglicherweise habe Jenny an Bord der Gorch Fock mit der Veröffentlichung des Videos gedroht. Es gebe auch die Vermutung, ob sie schwanger gewesen sei.

Der Anwalt der Familie Böken hat unterdessen bei der schleswig-holsteinischen Justizministerin Sabine Sütterlin-Waack beantragt, die „Auswechslung der Staatsanwaltschaft Kiel in der Todesermittlungssache Jenny Böken“ zu veranlassen. Diese Staatsanwaltschaft sei in seinen Augen „zu einer sachgerechten Bearbeitung“ der Sache Jenny Böken „nicht mehr in der Lage“.

Ministeriumssprecher Oliver Breuer bestätigte am Dienstag den Eingang des Schriftsatzes, für eine inhaltliche Stellungnahme sei es noch zu früh. Der Sprecher der Kieler Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwalt Axel Bieler, betonte am Dienstag auf Anfrage, alle gerichtlichen Überprüfungen hätten die Richtigkeit ihrer Entscheidungen bestätigt. Über eine mögliche Wiederaufnahme hat die Staatsanwaltschaft noch nicht entschieden.

Mehr von Aachener Zeitung