ARD-Wetterexpertin Claudia Kleinert kommt nach Aachen: „Jeder kann an seiner Ausstrahlung arbeiten“

ARD-Wetterexpertin Claudia Kleinert kommt nach Aachen : „Jeder kann an seiner Ausstrahlung arbeiten“

Die meisten Fernsehzuschauer kennen Claudia Kleinert als ARD-Moderatorin. Dort präsentiert die große, sympathische Blondine seit 1999 „Das Wetter im Ersten“. Doch seit zwei Jahren tourt die 49-Jährige auch durch die Vortragssäle der Nation – im Gepäck ihr Buch „Unschlagbar positiv. Die Charisma-Formel“.

Denn Charisma kann jeder lernen, der es wirklich will, ist sie sich sicher. „Auch ich war mit 25 Jahren noch bei weitem nicht so, wie ich heute bin“, stellt sie im Interview mit Katharina Menne klar.

Frau Kleinert, kann aus einer grauen Maus eine schillernde Persönlichkeit werden?

Claudia Kleinert: Ja, da bin ich mir sogar sehr sicher. Denn meist ist die Bezeichnung „graue Maus“ ein selbst gewähltes Schicksal. Wenn jemand aber mehr Wirkung haben und bemerkt werden möchte, dann kann er das auf jeden Fall lernen.

Oft wird aber doch gesagt, Charisma – also eine positive Grundausstrahlung – sei angeboren…

Kleinert: Es gibt tausend Definitionen von Charisma. Unter anderem die, dass Charisma gottgegeben ist und nicht erlernt werden kann. Aber gerade weil das so uneindeutig ist, bin ich der Meinung, dass man die eigene Ausstrahlung verbessern kann. Denn auch ich war mit 25 Jahren noch bei weitem nicht so, wie ich heute bin. Weder in meiner Wirkung noch in meiner Haltung. Vielleicht kann mir eine extrem unvoreingenommene, positive Grundhaltung zu Menschen und Dingen angeboren sein. Aber wenn ich das nicht habe und auf andere Menschen positiv wirken will, dann kann ich das auch.

Was sind denn die wichtigsten Tipps, die Sie jemandem geben, der seine Ausstrahlung tatsächlich verbessern möchte?

Kleinert: Das wäre ein Tagescoaching – ich weiß nicht wie viel Zeit wir haben (lacht). Also grundsätzlich gibt es 16 Aspekte oder Instrumente, die eine Wirkung ausmachen. Und man kann an jedem dieser einzelnen Aspekte arbeiten. Das sind zum Beispiel Mimik und Gestik, Ausdrucksfähigkeit, innere Überzeugung und andere mehr – wie setze ich die ein, wenn ich mit jemandem spreche oder jemanden überzeugen möchte? Ich muss mich dann fragen: Unterstütze ich auch wirklich mein Anliegen mit meinem Gesicht? Ist mein Lächeln authentisch? Eine Wirkung möchten wir ja alle haben, wenn wir etwas erreichen wollen. Und sei es nur, beim Bäcker morgens freundlich behandelt zu werden. Das muss man aber auch ausstrahlen.

Ihnen selbst wird oft gesagt, dass Sie diese Ausstrahlung haben, dieses Charisma. Wahrscheinlich ist das auch ein Grund dafür, warum Sie zum Fernsehen gekommen sind. Kann man andere Menschen denn mit zu viel Charisma auch überfordern?

Kleinert: Also überfordert habe ich damit noch niemanden, denn wenn es so wäre, wäre meine Ausstrahlung eben nicht toll. Charismatische Menschen wie zum Beispiel Martin Luther King haben nicht überfordert, sondern die Massen mitgenommen. Wenn jemand überzeugend und authentisch für das einsteht, was ihm selbst wichtig ist, dann sind die Menschen davon in der Regel begeistert. Was man aber nicht unterschätzen darf, ist, dass charismatische Menschen, die etwas Schlechtes im Sinn haben – wobei das natürlich sehr subjektiv ist – andere davon ebenfalls sehr leicht überzeugen können und dann folgen andere ihnen wider besseren Wissens.

Was ist denn der Unterschied zwischen Freundlichkeit und Charisma?

Kleinert: Für viele Menschen ist es schon freundlich, wenn man einfach nichts sagt. Wenn man also eh schon einen schlechten Tag hatte und dann auch noch die Bahn zu spät ist, dann kann es schon freundlich wirken, wenn ich meinen Ärger herunterschlucke, den Schaffner anlächle und nichts sage. Wenn ich den Schaffner aber anstrahle und zu ihm sage: „Mensch, Sie Armer, Sie werden heute bestimmt auch schon viel Groll abbekommen haben, obwohl Sie gar nichts für die Verspätung können“, dann habe ich auf jeden Fall schon mal eine gesteigerte Wirkung. Eins muss klar sein: Wir kommunizieren und wirken immer – durch unsere Blicke, unsere Körperhaltung und vieles mehr. Und je mehr ich meine Wirkung in die Richtung lenke, in die ich möchte, desto wahrscheinlicher ist es, dass ich mein Ziel erreiche.

Was bringt Sie denn auch mal aus der Fassung?

Kleinert: Ignoranz und Dummheit – immer wieder. Zum einen Menschen, die nicht zwei Meter vorausdenken, die nicht einkalkulieren, was ihr Verhalten für andere für Folgen haben kann. Und zum anderen Menschen, die auf ihrem goldenen Thron sitzen und nicht sehen, dass es anderen schlechter geht. Da kann ich sehr wütend werden. Wenn Menschen ungerecht oder unfreundlich sind, dann sage ich ihnen das aber auch – das wirkt oft sehr entwaffnend. Ich frage dann einfach: „Warum sind Sie eigentlich so unfreundlich zu mir?“. Oft fehlen meinem Gegenüber dann die Worte.

Warum liegt Ihnen das Charisma-Thema eigentlich so am Herzen?

Kleinert: Ich denke, wir Menschen gehen immer ruppiger und immer schlechter miteinander um. Vor allem in den Sozialen Medien herrscht mittlerweile ein Ton vor, der vor allem deshalb möglich ist, weil einem da Wirkung total egal ist – man sieht sich nicht, niemand weiß, wer das Gegenüber eigentlich ist. Wirkung und Ausstrahlung haben aber auch viel mit Respekt zu tun. Man kann deshalb nicht oft genug sagen: Überlegt euch, wie ihr auf andere wirkt und ob ihr wirklich so sein wollt. Wir achten immer weniger darauf, was so ein gedankenlos abgesetzter Post bei Facebook mit anderen Menschen macht.

Sie sind eigentlich gelernte Bankkauffrau und studierte Betriebswirtin. Welcher Weg führte Sie zum Wetter?

Kleinert: Das ist eigentlich relativ unspektakulär. Ich habe schon während meines Studiums immer mal wieder kleinere Moderationen gemacht für Werbeagenturen, aber auch für den WDR. Irgendwann suchte der Wetter- und Reisekanal in Düsseldorf Moderatoren, also habe ich mich beworben – und wurde genommen. Ich bin dann geblieben und es wurde zu meinem Weg. Aber hätte ein Nachrichtensender zu der Zeit Moderatoren gesucht, wäre ich jetzt vielleicht dort. Das hatte also nur bedingt etwas mit unbändiger Leidenschaft für das Wetter zu tun – die kam dann später dazu.

Aber mittlerweile sind Sie wahrscheinlich trotzdem Wetter-Expertin.

Kleinert: Ich würde mich natürlich niemals Diplom-Meteoreologin nennen, aber das, was man können muss, um Wetterdaten zu interpretieren und präsentieren, kann ich.

Welche Wetterlage fasziniert Sie denn am meisten oder bei welcher geht Ihnen das Herz auf?

Kleinert: Das ist ein sehr großer Unterschied. Es gibt Wetterlagen, die sind wahnsinnig spannend, aber die können für andere Menschen Gefahr bedeuten. Ich würde also niemals sagen, dass sie mir am Herzen liegen. Wenn es richtig kräftig schneit, dann finde ich das wahnsinnig faszinierend. Aber auch ein Hochdruckgebiet im Winter ist spannend: Wo lockert es auf? Wie hängt das zusammen mit dem Wind und der Luftfeuchtigkeit?

Viele Menschen verwechseln Wetter und Klima – denken, dass es doch wohl kaum eine Klimaerwärmung geben kann, wenn gerade in Chicago arktische Verhältnisse herrschen. Wie stark fühlen Sie sich als Wetterexpertin auch der Aufklärung der Gesellschaft verpflichtet?

Kleinert: Es gibt eine Klimaveränderung, die sich aufs Wetter auswirkt – das ist das Wichtige, das ich auch nicht müde werde zu betonen. Das heißt, weil ich sehe, was gerade passiert, wie viele Extremwetterlagen wir in den vergangenen Jahren hatten, dann ist klar, dass sich etwas verändert hat. Der Jahrhundertsommer, die Sturzflut, das Schneechaos – das ist Extremwetter. Um Aussagen über das Klima zu treffen, muss ich mir dagegen einen Zeitraum von mindestens 30 Jahren anschauen.

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