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Jecken feiern Rosenmontag in Köln und Düsseldorf nach Hanau

Hakenkreuz auf Bolsonaro-Brust Satire? : Hunderttausende feiern in NRW Rosenmontag

Von Thunberg bis Trump – die Rosenmontagszüge konnten diesmal satirisch aus dem Vollen schöpfen. Hunderttausende feierten auf den Straßen. In Köln gab es allerdings auch zwei schwere Unfälle.

Hunderttausende Narren haben an Rosenmontag in Nordrhein-Westfalen den Höhepunkt des Straßenkarnevals gefeiert. In Köln trübten zwei Unfälle die Stimmung: Eine 20-Jährige aus Dortmund kam bei einem Stadtbahnunfall ums Leben, und ein Mädchen blieb in einem Hotel mit seinem Fuß in einer Rolltreppe stecken und verletzte sich schwer. „Auch wenn die Einsatzzahlen der Hilfsorganisationen niedriger sind als in den vergangenen Jahren, die tragischen Unfälle überschatten das fröhliche Treiben“, sagte Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos).

Der Zulauf zu den Zügen war wie gewohnt groß. Das Comitee Düsseldorfer Carneval ging von einer Besucherzahl zwischen 600.000 und 700.000 aus. In Köln sprachen Festkomitee und Polizei von Hunderttausenden, die genaue Zahl könne man nicht schätzen.

Die Karnevalshochburgen bezogen in den Rosenmontagszügen Position gegen Rechts. „Uns Hätz schleiht för Hanau“ - unser Herz schlägt für Hanau, stand auf einem Kölner Mottowagen zu dem offensichtlich rechtsextremistischen Anschlag. Die Wagenbauer hatten ihren Dom mit hängenden Turmspitzen und Tränen dargestellt. „Karneval ist bunt, nicht braun!“, sagte Zugleiter Holger Kirsch der Deutschen Presse-Agentur.

Die Düsseldorfer stellten den Rassismus als Pistole dar, die aus dem Mund eines Mannes mit hochrotem Kopf ragt. „Es sind viele Täter“, sagte Wagenbauer Jacques Tilly dazu der dpa. „Es ist nicht nur einer, der geschossen hat. Diejenigen, die die Tat mental mit vorbereitet haben, tragen auch Verantwortung.“

In weiteren Mottowagen zeigten die Düsseldorfer den Machtkampf in der CDU als „Hodensackhüpfen“ zwischen Jens Spahn, Friedrich Merz, Armin Laschet und Norbert Röttgen. Bei der SPD schwenkten die neuen Vorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans ganz in Schwarz-Weiß ihre Fähnchen - Motto: „Wir bringen wieder Farbe in die SPD.“ Im braunen Sumpf von Thüringen hoben FDP und CDU den rechten Arm von Björn Höcke zum Hitlergruß.

Hakenkreuz auf Bolsonaro-Brust entfernt

„Klimakiller Bolsonaro“ steht auf diesem Mottowagen im Düsseldorfer Rosenmontagszug. Der brasilianische Regierungschef wird mit Kettensägen anstelle von Armen dargestellt. Foto: dpa/Federico Gambarini

Auf Anraten der Staatsanwaltschaft entfernten die Karnevalisten auf einem der Düsseldorfer Mottowagen ein Hakenkreuz: Polizisten hatten das Nazisymbol auf der Brust des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro erspäht. Die Einsatzkräfte hätten daraufhin mit der Staatsanwaltschaft Rücksprache gehalten, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Später kamen der Behörde aber Zweifel an der eigenen Bewertung: „Die weitere Prüfung hat dann ergeben, dass das Hakenkreuz in diesem Zusammenhang von der Kunstfreiheit gedeckt sein dürfte“, sagte die Sprecherin. Für die Pappmaché-Figur kam diese Erkenntnis zu spät.

Die Kölner Motivwagen präsentierten die Abgeordneten im britischen Unterhaus als Skelette in einer endlosen Brexitdebatte und Donald Trump als Horrorclown. Grünen-Chef Robert Habeck ritt auf einer Greta-Thunberg-Welle.

Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte, es sei gut gewesen, dass die Kölner einen Hanau-Wagen ganz an den Anfang ihres Zuges gestellt hätten: „Wir dürfen auf keinen Fall vor den Typen in die Knie gehen. Und deswegen wird Karneval gefeiert, auch wenn's die gibt. Und trotzdem sind wir in unserem Herzen bei den Familien und denen, denen das Leid zugefügt wurde. Das ist doch vollkommen klar.“

Auch Fernsehmoderator Guido Cantz lobte die schnellen und klaren Reaktionen der Karnevalisten auf den Anschlag von Hanau. „Ich finde das absolut richtig, Stellung zu beziehen“, sagte der 48-Jährige. „Es ist das richtige Zeichen.“

Hier geht es zur Bilderstrecke: Politische Mottowagen rollen durch Düsseldorf und Köln

(dpa)