Düsseldorf: Jahresbilanz: Weniger Arbeitslose in NRW, aber viele Langzeitsuchende

Düsseldorf : Jahresbilanz: Weniger Arbeitslose in NRW, aber viele Langzeitsuchende

Der NRW-Arbeitsmarkt boomt wie schon lange nicht mehr: Die Arbeitslosenzahl liegt auf dem niedrigsten Stand seit 24 Jahren, mit 6,8 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gab es im Herbst einen NRW-Rekord.

Doch gleichzeitig kommt das Land bei der Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit kaum voran, und die Zahl der Lehrstellen wächst nur langsam, warnte die Chefin der NRW-Regionaldirektion, Christiane Schönefeld, am Dienstag bei ihrer Jahrespressekonferenz in Düsseldorf.

Angesichts der anrollenden Rentenwelle der „Baby-Boomer” sollten die Arbeitgeber auch im eigenen Interesse ihre Einstellungspolitik überdenken und künftig auch Kandidaten eine Chance geben, die sich vielleicht erst auf den zweiten Blick aufdrängen. Sonst drohe den Unternehmen schon in zwei bis drei Jahren starker Fachkräftemangel, sagte Schönefeld. Auch Jugendliche mit nicht so guten Schulnoten könnten zu begehrten Fachkräften werden, das Nachbarland Holland zeige, dass ältere Arbeitnehmer nach längerer Pause durchaus Potenzial für den Arbeitsmarkt haben.

In den kommenden fünf Jahren würden voraussichtlich etwa 500.000 Arbeitnehmer in NRW aus dem Erwerbsleben ausscheiden. „Wir brauchen eine andere Einstellung: Heute die Leute finden, die wir morgen brauchen, nicht morgen suchen und keine finden”, sagte Schönefeld.

Laut Arbeitsagentur waren 2017 NRW-weit im Jahresdurchschnitt gut 702.000 Menschen ohne Beschäftigung - über 23.000 Menschen weniger als im Vorjahr. Die NRW-Arbeitslosenquote sank damit deutlich auf 7,4 Prozent (Vorjahr: 7,7).

Von dem positiven Trend mit über 500.000 offenen Stellen und der stärksten Arbeitskräftenachfrage seit den 1970er Jahren profitierten vor allem junge Menschen. Die Jugendarbeitslosigkeit sank im November auf gut 57.000 und damit die niedrigste Zahl seit Anfang der 1990er Jahre. Auch viele geflüchtete Menschen fanden Arbeit: 23.500 Flüchtlinge seien - auch dank guter Kontake zum Handwerk und der Hilfe vieler Ehrenamtler - erfolgreich in Arbeit vermittelt worden, berichtete Schönefeld.

Gleichzeitig bleibe die Langzeitarbeitslosigkeit mit gut 294.000 Menschen aber hoch - der Rückgang um knapp sechs Prozent im Vorjahresvergleich sei überwiegend auf Arbeitsmarktprogramme zurückzuführen. Auf dem Lehrstellenmarkt gebe es mit knapp 117.000 abgeschlossenen Lehrverträgen nur ein leichtes Plus und weiter mehr als 7000 unversorgte Bewerber für eine Ausbildung.

„NRW verschenkt zu viele Potenziale”, sagte Schönefeld. Das gelte für jugendliche Bewerber mit mäßigen Schulnoten genauso wie für Arbeitssuchende jenseits der 50, die weiter nur sehr wenig Chancen hätten.

(dpa)
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