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Gerichtsurteil: Ist ein Sturz auf dem Weg ins Homeoffice ein Arbeitsunfall?

Gerichtsurteil : Ist ein Sturz auf dem Weg ins Homeoffice ein Arbeitsunfall?

Das Landessozialgericht hat darüber geurteilt, ob ein Sturz im Homeoffice als Arbeitsunfall gilt. Ein Kläger war 2018 auf dem Weg in sein privates Büro gestürzt.

Die Coronavirus-Pandemie hat den Arbeitsalltag grundlegend verändert. Viele Arbeitstätige arbeiten seit dem Beginn der Pandemie von Zuhause aus. Im Homeoffice ist aber nicht immer klar, welche Rechte greifen und wie es mit der Versicherung aussieht. So beispielsweise bei der Frage nach Arbeitsunfällen.

In seinem Urteil vom 9. November 2020 (Az.: L 17 U 487/19) entschied das Landessozialgericht, dass ein Sturz im Homeoffice nicht als Arbeitsunfall geltend gemacht werden kann. Der Weg zum Arbeitsplatz vor dem Beginn der Homeoffice-Zeit gilt demnach weder als Weg zur Arbeit noch kann dieser als Betriebsweg gesetzlich unfallversichert werden. Kurzum: Wer auf dem Weg vom Bad ins Arbeitszimmer die Trepper runterstürzt, geht leer aus.

Grund für das Urteil war die Klage eines Gebietsverkaufsleiters, der regelmäßig im Homeoffice arbeitete. Im September 2018 fiel er dort auf dem Weg in sein privates Büro eine Wendeltreppe herunter. Dabei erlitt er einen Brustwirbeltrümmerbruch.

Er forderte bei der Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik Entschädigungsleistungen aus der gesetzlichen Unfallversicherung ein, die diese ablehnten. Als Grund dafür nannten sie die Tatsache, dass kein Arbeitsunfall vorliege. Der Sturz habe sich Zuhause zugetragen und daher nicht auf einem versicherten Weg.

Dagegen klagte der Kläger vor dem Sozialgericht Aachen. Das Landessozialgericht lehnte die Klage ab. Mit der Begründung, dass der zurückgelegte Weg des Klägers weder als versicherter Betriebsweg, noch als Weg hin zum Ort der Arbeit anzusehen sei. Der Versicherungsschutz bei einem Wegunfall beginne dahingehend erst mit dem Durchschreiten der Haustür des Gebäudes. Ein Homeoffice-Beschäftigter ist daher niemals innerhalb des Hauses oder innerhalb der Wohnung auf dem Weg in das Büro oder aus dem Büro wegeunfallversichert.

Zusätzlich ließ das Landessozialgericht verlauten, dass es sich bei dem Fall des Klägers nicht um einen Betriebsweg handelte. Ein Betriebsweg ist eine Strecke, die in Ausübung der versicherten Tätigkeit zurückgelegt wird. Vor- und Nachbereitungshandlungen der versicherten Arbeitsleistungen fallen nicht darunter.

(red)